Logo

Reise durch zwei Reiche der Wiedergeburt und ein Paradies


FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

a. Bildbeschreibung

Das Gemälde enthält keine Aufschriften, die seine Bildinhalte erläutern.
Auf der rechten unteren Bildhälfte sind exemplarische Szenen aus der Welt der Menschen dargestellt, die den Charakter von Alltagsszenen und Lebensabschnitten haben: gemeinsames Essen am Familientisch, Arbeit auf dem Feld, Kinder, die in Schuluniform mit Schultasche oder Schulranzen unterwegs sind, eine Frau, die ihr Kleinkind auf dem Schoß hält. Die auf dem oberen Teil des Bildabschnitts des „Reichs der Menschen“ gezeigten Handlungen stellen vermehrt konfuzianisch geprägte Verpflichtungen eines Menschen dar, z. B die Durchführung des Ahnenrituals: eine männliche und eine weibliche Person (wohl Bruder und Schwester oder Ehemann und Ehefrau), die in lange Gewänder gekleidet sind, heben beide Hände in Verehrungsgeste vor einem Podest, auf dem Ahnentafeln stehen, in die Höhe. Auf einem Opfergabentisch unterhalb des Ahnentafelpodests stehen Kerzenständer mit brennenden Kerzen, ein Rauchopfergefäß mit brennenden Räucherstäbchen (ein Zeichen, dass mit den Ahnen gerade Kontakt aufgenommen werden soll), sowie ein weiteres Opfergefäß. Das Ritual wird gemeinsam mit buddhistischen Mönchen durchgeführt, von denen einer ganz rechts seitlich neben den beiden Personen, die ihre Ahnen verehren, steht und ein hölzernes Ritual-Klopfinstrument schlägt, das als „Holzfisch“ (chin. muyu木鱼) bezeichnet wird.
Weiter unten pflegt eine junge Frau eine alte kranke Frau, die ihren Kopf auf eine traditionelle Kopfstütze (chin. zhentou 枕头) gebettet hat. Für die Kranke wird Tee oder Medizin in einem Kessel zubereitet, der durch ein Feuer auf einer entsprechenden Vorrichtung erhitzt wird.
Darunter sind zwei männliche Personen in weißer Trauerkleidung und traditionellen schwarzen koreanischen Hüten beim Totenverehrungsritual zu sehen. Sie knien auf einer Matte vor dem Rundgrab eines Verwandten. Auf der stufenförmigen Vorrichtung vor dem Grabstein stehen Gefäße für Opfergaben. Die traditionelle koreanische Flasche aus Porzellan oder Steinzeug, die rechts neben den beiden knienden Männern steht, enthält wohl den Wein oder Schnaps, der eine Opfergabe darstellt.

Hinter der Grabopferszene kniet eine weiße Trauerkleidung tragende Frau weinend vor einem Sarg. Von der Kopfpartie dieser Frau gehen zwei große, mehrfarbige Farbstrahlen aus. Einer von ihnen führt nach unten. Auf diesem Farbstrahl ist vorne eine junge Frau in braun-gelber Tracht zu sehen, die, gefesselt von einem Unterweltschergen, der eine Schlagwaffe (Keule) in der Hand hält, in das Reich der Unterwelt (myeongbu, chin: mingfu冥府) geführt wird. Auch hier handelt es sich, ganz wie die Welt der Menschen, um eines der derjenigen Sechs Reiche der Wiedergeburt (gati). Die junge Frau streift hier zunächst das Reich der „Höllenwesen“ (Schumann 1986: 76). Zu diesen Wesen gehört auch der rothaarige und einen Bart tragende Knecht der Unterwelt mit entblößtem Oberkörper, der die Frau an einem Seil hinter sich her zerrt. Auf dem Bild ist das Reich der Unterwelt von einer Mauerwand umgeben, deren oberer Abschnitt dem einer traditionellen ostasiatischen Stadtmauer ähnelt. Am Ende der Mauer (linke Bildhälfte) sind für das Treiben der Verstorbenen bzw. ihrer Seelen in die Unterwelt auch tiergesichtige Unterweltschergen verantwortlich, die weite Gewänder tragen und Schwerter mit sich führen. Unter diesen tiergesichtigen Schergen auf dem Bild befinden sich die auf Darstellungen der buddhistischen Unterwelt häufig als Paar auftretenden Knechte „Pferdegesicht“ und „Rinderkopf“ (chin.: mamian niutou 马面牛头) (vergl. Bügener / Schulenburg 2005, S. 96, 98, 101), daneben ein Knecht mit dem Gesicht eines Tigers. Auch die Gruppe gefesselter junger Menschen in einfacher Kleidung, die von den tiergesichtigen Knechten in die Unterwelt geführt werden, wo sich neben ihnen bereits dunkle Wolken auftun, erwartet dort ihre Bestrafung. Eein Beamter eines Unterweltrichters, der sich die Strafen von Verurteilten notiert, wird auf dem vorliegenden Bild interessanterweise ganz oben rechts dargestellt (vergl. Bügener / Schulenburg 2005, S. 38, 93). Mit der Durchführung der zuvor von den Unterweltrichtern festgelegten Bestrafungen der Seelen sind auf dem Bild die oben erwähnten rothaarigen Unterweltschergen beschäftigt. Manchen Personen wird in der Unterwelt zunächst gezeigt, für welche Taten, die sie in ihrer vorherigen Existenz verübt haben, nun bestraft werden: ein Mann in einem braunen Gelehrtengewand steht vor einem Karmaspiegel. In ihm ist zu sehen, wie ein Mensch ein Tier erschlägt. Die Auflösung: der Mann vor dem Spiegel hat in seiner vorherigen Existenz als Mensch Tiere getötet - ein Verstoß gegen die Lehre des Buddhas.

Formen und Arten der Bestrafung in der Unterwelt, die auf dem Bild zu sehen sind:

Die Schuldigen, an denen Strafen vollzogen werden, sind alle leicht bekleidet oder nackt dargestellt. Es werden Bestrafungsszenen in folgenden Höfen der Unterwelt dargestellt:

- Unterwelthof des kochenden Wassers (hwaktangjiok), in dem die Schuldigen gesotten werden. Diese Strafe wird auf vergleichbaren Bildern des 18. u. 19. Jh. im Reich des Zweiten Königs der Unterwelt durchgeführt (s. Bügener / Schulenburg 2005, S. 102-3)

- Pflügen auf der Zunge des Verurteilten (s. linker unterer Bildrand): Auf einem Bild des 18. Jh. wird diese Strafe bei einer Darstellung des Hofes des Dritten Königs der Unterwelt durchgeführt (vergl. Bügener / Schulenburg 2005, S. 84-5, 121). Allerdings sind auf jenem Bild die Schuldigen an einen Holzpfahl gebunden und nicht an ein Kreuz genagelt, wie es auf dem vorliegenden Gemälde bei der Darstellung dieser Form der Bestrafung der Fall ist (vergl. hierzu Bügener / Schulenburg 2005, S. 36)

- „ Hof der Messerbäume“ (dosangjiok), in der die Schuldigen auf Messerspitzen aufgespießt werden: Diese Strafe wird auf Vergleichsbildern des 19. Jh. im Hof des Vierten Königs der Unterwelt durchgeführt (Bügener / Schulenburg 2005, S. 106-107)

- Unterwelthof des Zersägens in zwei Hälften (geohaejiok). Vorsteher auf vergleichbaren Bildern des 18. u. 19. Jh.: Achter Unterweltkönig (S. Bügener / Schulenburg 2005, S. 120-1, S. 116)

- „Giftschlangenhölle“ (doksajiok), s. Bügener / Schulenburg 2005, S. 110-111), an die die Szene am untersten Bildrand links angelehnt ist: Schuldige werden in einen See mit schmutzigem Wasser geworfen, wo sie auf dem vorliegenden Bild aber nicht von Schlangen, sondern - recht ungewöhnlich - von zwei Drachen angegriffen werden, da der Drache auch auf koreanischen Gemälden in der Regel in Verbindung mit positiver Macht und Kraft dargestellt wird (vergl. den Drachen, der auf dem vorliegenden Bild das Schiff im buddhistischen Paradies mit den Buddhas, Bodhisattvas und Wiedergeborenen trägt, s. Beschreibung weiter unten)

- Festnageln der Schuldigen auf einen Tisch: diese Strafe kommt auf Vergleichsbildern des 19. Jh. bei Darstellungen des Hofs des Neunten Königs der Unterwelt vor (s. Bügener / Schulenburg. 121-122)

Auf dem Lichtstrahl, der die weiter oben erwähnte Frau ins Reich Unterwelt führt, wo all die genannten Bestrafungsszenen stattfinden, steht neben einem König der Unterwelt in Beamtentracht und dessen kindlichem Begleiter auch ein Bodhisattva. Es handelt sich um den Transzendenten Bodhisattava Kshitigarbha (Jijiangbosal, chin. dizang pusa 地藏菩萨), der auf hellen Wolken in die Unterwelt schwebt. In der linken Hand trägt er einen Rasselstab, in dessen Mitte sich eine Plastik des Buddha Amitabha (s. weiter unten) befindet. Der Stab zerbricht das Tor der Unterwelt, und die Qualen, die die Verurteilten erleiden müssen, werden gemildert, da sie durch den Wohlklang des Klopfens mit dem Rasselstab unterbrochen werden (s. Bügener / Schulenburg, S. 70, 78, vergl. S. 150). Der Farbstrahl führt ab der Stelle, auf dem der Bodhisattva auf Wolken über ihm schwebt, an einen Ort, in dem Buddhas, weitere Bodhisattvas und andere Gottheiten zu sehen sind. Obwohl das Reich der Unterwelt von dem Ort der Buddhas, Bodhisattvas und Gottheiten, der oft als „Paradies“ (chin.: jileshi 极乐世 ) bezeichnet wird, rein räumlich durch eine Mauer getrennt wieder gegeben wird (s. Anmerkungen weiter oben), so wird durch die Darstellung einer Verbindung der Unterwelt mit dem Paradies, dass nach buddhistischer Vorstellung die Unterwelt für alle Wesen nur als eine Durchgangsstation angesehen wird. Die Welt der Buddhas, Bodhisattvas und anderen Gottheiten erscheint beim Anblick der Unterweltszenen umso glanzvoller - daher werden sie nebeneinander bzw. miteinander verbunden dargestellt Es handelt sich hier um einen Hinweis auf einen Aufstieg in ein mit weniger Leiden verbundenes Gefilde (s. Bügener / Schulenburg, S. 40, 125), der Tod symbolisiert das neue Werden.
Auch der obere Farbstrahl, der von der trauernden Frau auf dem Bild ausgeht, führt in das buddhistische Paradies, wo Wiedergeborene die Möglichkeit haben, Buddhas zu begegnen und deren Lehrverkündigungen unmittelbar beizusitzen. Auch sind dort Bodhisattvas sowie andere buddhistische Gottheiten anzutreffen: die von einem Kind mit Palmwedel begleitete, direkt vor dem Schiff stehende Frau über dem Farbstrahl wird von einem Bodhisattva mit grünem Nimbus am hinteren Ende des mit Laternen hell erleuchteten Schiffs, das von einem Drachen im Wasser getragen wird, willkommen geheißen. Der Bodhisattva, begleitet von einem Jungen, reicht ihr die Hand und zeigt mit der anderen in die Richtung des predigenden Buddhas, der auf einer weißen Lotusblüte in der Mitte des Schiffs sitzt. Links und rechts ist er jeweils von weiteren Bodhisattvas umgeben. Der Buddha ist in Seitenposition abgebildet, seine rechte Hand zeigt die Ermutigungsgeste, die linke liegt auf dem Schoß. Den Worten des Buddhas hören verschiedene Personen, die Hände fast alle in Anbetungspose erhoben, zu. Unter ihnen befindet sich auch ein Mönch, der an seinem geschorenen Kopf zu erkennen ist.
Ganz vorne auf dem Schiff steht wieder der Bodhisattva Kshitigarbha mit seinem Rasselstab, in den hier aber keine Plastik des Transzendenten Buddha Amitabha eingearbeitet ist (vergl. weiter oben). Auch ist Kshitigarbha auf dieser Darstellung nicht von einem Nimbus umgeben. Er sieht ruhig auf das Geschehen in der Unterwelt hinab. Links unter ihm schweben auf einer Wolke Himmelsgöttinnen mit Musikinstrumenten (juakcheonnyeo) (vergl. Bügener Schulenburg 2005, S. 240-5). Diese musizierenden Göttinnen und ihre Begleiterinnen sind als kindliche bzw. sehr junge Gottheiten dargestellt, deren Haar kunstvoll zusammengebunden ist, auf dem sie schmuckbesetzte Kopfbedeckungen tragen bzw. in das der Kopfschmuck eingeflochten ist. Sie begleiten (auch ganz oben links auf dem Bild) Buddhas und Bodhisattvas, mit denen sie zusammen auf einem Wolkenbündel schweben. In ihrer unmittelbaren Nähe ist jeweils eine Gottheit, die eine Schirmstandarte (dvhaja) trägt. Diese Schirmstandarten gelten als Symbol für den Sieg der Buddhalehre.
Zwei Bodhisattvas und ein Buddha sehen ganz oben links auf eine Gruppe von Wiedergeborenen, von der sie verehrt werden. Einer davon ist der Bodhisattva Guanyin (Gwaneumbosal, chin: Guanyin pusa 观音菩萨), der ein Abbild eines Buddhas auf seinem Kopfschmuck trägt.
Der Mann, der das Quartett der die Bodhisattavs und des den Buddha Verehrenden anführt, ist mit einer in blau-weißen Farbtönen gehaltene Lotusblüte, die er ihnen mitgebracht hat, abgebildet. Er hält sie mit beiden Händen vor dem linken Bodhisattva, der auf Wolken unmittelbar vor ihm steht, in die Höhe - eine Geste, die darauf hinweist, dass die Lotusblüte ein Geschenk für den Bodhisattva ist. Zwei Wiedergeborene stehen auf Lotusblüten, die dieselben Blautöne aufweisen. Auch die Blüten, die Teile der oberen und untere Außenseite des Schiffs schmücken, haben die gleiche Farbe.

Ganz oben sitzen fünf Buddhas, die die Fünf Transzendenten Buddhas (jinas) darstellen. Sie werden auch Buddhas der Weltrichtungen genannt. Sie unterscheiden sich auch auf dem vorliegenden Bild durch ihre Handgesten (mudras), die an Darstellungen der Handgesten der Transzendenten Buddhas zumindest angelehnt sind. Alle fünf sitzen sie auf Lotusthronen, von denen auf dem Bild nur zwei zu sehen sind, einer davon ist der von Amitabha (chin.: Amituofo rulai 阿弥陀佛如来), der auf dem Bild der erste Transzendente Buddha von links ist. Die Außenseite der Lotusblätter ist in dunkelgelb-orange, die Innenseite in weiß gehalten. Auf einer Lotusblüte mit den selben Farben steht auch der eine grüne Audienztafel (hu 笏) haltende junge Mann mit vornehmer brauner Kopfbedeckung, der sich links oben auf dem Bild mit drei anderen Personen der Trias aus einem Buddha und zwei Bodhisattvas annähert (s. obige Ausführungen). Auch die Lotusblätter, die an den Kopfschmuck der eine Schirmstandarte tragenden Begleiterin einer musizierenden Himmelsgöttin angebracht sind, haben diese Farbe (s. oben ganz links).
Aureolen und die Nimbusse der Transzendenten Buddhas sind von mehrfarbigen konzentrischen Kreisen umgeben, die Nimbusse sind mit in Rot-, Blau-, Grün- und Gelbtönen gehaltenen, durchgehenden Bandmustern ausgemalt. Dieselben Farben erscheinen, ebenfalls nebeneinander angebracht, an verschiedenen anderen Gegenständen auf dem Bild, etwa auf den Schirmstandarten, die links neben dem Schiff von den kindlichen Begleitern der Buddhas und Bodhisattvas getragen werden (s. oben), oder auf dem Schmuckband auf der rechten Vorderseite des Gewandes des Bodhisattavas Kshitigarbha, der in das Reich der Unterwelt schwebt. Die erwähnte Farbkombination in bandförmiger Darstellung trägt somit als wiederkehrendes Merkmal zur farblich-dekorativen Gesamtposition des Bildes bei. Dasselbe gilt für das matte Hellgrün, mit dem die Nimbusse verschiedener Buddhas, Bodhisattvas und der des Gerichtschreibers ausgemalt sind. Der Lotusthron des Transzendenten Buddhas ganz rechts besteht dagegen aus Blättern, die in zwei Grüntönen gehalten sind.


Alle Buddhas und Bodhisattvas auf dem Bild haben eine ins Goldfarbene übergehende Gesichts- bzw. Körperfarbe. Diese betont ihren erhabenen und beständigen Charakter (s. Bügener / Schulenburg, S. 38) und hebt sie so von allen anderen auf dem Bild abgebildeten Wesen ab.


b. Zur Herkunft, zum kulturellen Kontext sowie zur Funktion des Bildes

Es handelt sich um ein religiöses Gemälde, auf dem neben exemplarisch-narrativen Darstellungen aus dem buddhistischen Daseinsbereich der Menschen verschiedene Szenen der Festlegung und Ausführung von Strafen im Reich der Unterwelt (ebenfalls eines der Reiche buddhistischer Wiedergeburt) einen breiten Raum einnimmt. Gleichzeitig sind auf dem Bild Darstellungen von buddhistischen Paradiesen festgehalten, in die zu gelangen hier als eine von allen Wesen als Hoffnung verheißende Alternative zum Reich der Unterwelt dargestellt wird. Auf dem Bild sind somit Szenen aus der buddhistischen Unterwelt, gleichzeitig aber auch Darstellungen, die darauf hinweisen, dass ihr entkommen werden kann, festgehalten.
Bilder dieser Art werden in koreanischen Klosteranlagen in systematischer Anordnung in der „Halle der Unterwelt“ (myeongbujeon, chin: mingfudian 冥府殿), auch „Gerichtshalle“ genannt, platziert (Bügener / Schulenburg 2005, S. 34 ff.). Sie werden als Kultgegenstände verstanden und eingesetzt: in Gerichtshallen buddhistischer Klöster in Korea - und somit in unmittelbarer Umgebung von Bildern wie dem vorliegenden - werden Rituale für Verstorbene durchgeführt. Ziel dieser Rituale ist es, die körperlichen und seelischen Qualen in Form von Bestrafungen, die die Schuldigen nach ihrer Prüfung in der Unterwelt zu erwarten bzw. zu ertragen haben, möglichst milde ausfallen zu lassen. Durch Opfergaben und die Anbetung bestimmter Gottheiten, insbesondere die auf dem Bild dargestellten, soll zudem der Aufenthalt in der Unterwelt so kurz wie möglich gestaltet und der Weg in eine hohe Form der Wiedergeburt / Existenz geebnet werden. [Zu den genannten Ritualen zählen z.B. das „Ritual für die Zehn Könige“ (daeryewanggonggaakbaeejae, chin.: da li wang gong ge bai zhai大禮王供個拜齋) oder das „Ritual der 49 Tage“ (chin. sishijiu zhai四十九齋) (s. Bügener / Schulenburg 2005, S. 28, 35, 44/45). Die Erwähnung derartiger Rituale zur Umgehung der Strafen in der Unterwelt sowie die Beschreibung von Strafen in einzelnen Höfen der Unterwelt sind in verschiedenen buddhistischen Sutren zu finden, etwa in dem tang-zeitlichen „Sutra der zehn Könige der Unterwelt“ (Yesu siwangsaeng chilgyeong, chin.: yuxiu shi wang sheng qi jing 预修十王生七经) (s. KOGAF 2005, S, 51, 70, 65. Vergl. hierzu O. Kümmels Anmerkungen zum von A. Waley angeführten Sutra Dizangwang pusa faxin yinyuan shi wang jing 地藏菩萨发心因缘十王经 , in: Ostasiatische Zeitschrift, 19. Jg., Heft 3/4, 1933. S. 115-116). Ein späteres chinesisches Sutra, in dem auf einzelne Strafen in den „Zehn Höfen der Unterwelt“ eingegangen wird: Yuli chao chuan jingshi玉历钞传警世 Sammlung EM: I D 7180)].

Der Sammler des vorliegenden Bildes, Thomas Ulbrich, erwarb es nach eigenen Angaben (E-Mail vom 4.3.08 an das FR Ost-und Nordasien) in einem Laden auf der Insel Chejudo; es ist nicht bekannt, aus welchem Tempel es ursprünglich stammt. Zum Zeitpunkt des Kaufs war das Bild laut Ulbrich nicht mit einem Rahmen versehen; vielmehr wurde es nach dem Kauf nach Seoul gebracht und dort gerahmt.

c. Datierung:

Auf dem Bild findet sich keine Datierung oder der Name eines Malers.
Es ist zu vermuten, dass das Bild in der Zeit der Annexion Koreas durch Japan (1910-1945) gemalt wurde. Ein Hinweis darauf sind die westlich beeinflussten Schuluniformen mit dazugehörigen schwarzen Mützen, die von einer Gruppe von Jungen getragen werden (s. auch „Bildbeschreibung“). Neuerungen dieser Art, die die japanische Besatzungsmacht nach Korea einführte, wurden zu jener Zeit auch auf anderen vergleichbaren buddhistischen Gemälden bildlich festgehalten (s. Bügener / Schulenburg 2005, S. 28). Grundsätzlich weist das Bild, was die Themenwahl und die Wahl der einzelnen Bildmotive und ihre Darstellung betrifft, einige Ähnlichkeiten mit Ritualbildern desselben Genres aus dem 18. und 19. Jahrhundert (späte Joseon-Dynastie) auf (s. ff.).









Zitierte Literatur:

Bügener, Annette / Schulenburg, Stephan von der (Red., 2005): Seelen auf Wanderschaft. Meisterwerke buddhistischer Kunst der Joseon-Dynastie aus dem National Museum of Korea. The Korean Organization for the Guest of Honour at the Frankfurt Book Fair 2005, Seoul / Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt

Schumann, Hans Wolfgang (1986): Buddhistische Bilderwelt. Eugen Diederichs Verlag, Köln