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Die Heiligen Drei Könige


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Objektbeschreibung

Zu Beginn des Jahres 1906 tritt Nolde der Künstlergemeinschaft »Brücke« bei zu gewiß gegenseitigem Nutzen. Die jüngeren Künstler finden erst durch ihn zur Radierung, während seine Hinwendung zum Holzschnitt wiederum auf sie zurückgeht. Er verläßt die Gruppe aber schon nach eineinhalb Jahren wieder, da er sich wohl doch einer anderen Generation zugehörig fühlte.
Nolde, eine der Kerngestalten des Expressionismus, nimmt ab dem Oktober 1913 an einer mehrmonatigen Expedition in die Südsee teil, was Interessen kenntlich macht, die der kurz zuvor entstandenen Lithographie mit einem biblischen Thema nur scheinbar wesensfremd sind.
Denn erstaunlicherweise fehlt den drei Königen das gewohnte Gegenüber von Maria, Josef und dem Kind. Es geht Nolde also nicht um die Darstellung eines Moments der christlichen Heilsgeschichte, in dem Vertreter der weltlichen Herrschaft sich dem Mensch gewordenen Gott unterwerfen. Es geht ihm vielmehr um Gestalt und Habitus jener drei legendären Hoheiten aus dem Morgenland.
In der unikalen Berliner Version heben sich ihre Köpfe und Oberkörper und die Schale mit den Schwaden des Weihrauchs, die der vordere König emporhält, scharf konturiert ab von dem in Gelb und Ocker gehaltenen Himmel, aus dem die sengenden Strahlen der Sonne fallen. Durch einen weiten Konturenbogen, der am linken Bildrand aufsteigt, in den Rücken des pausbäckigen Mohrenkönigs übergeht und dann im Umriß des Gewandes des Königs mit der klobigen Nase zweifach aufgenommen wird, bindet Nolde die Dreiergruppe in der Fläche aneinander. Damit erreicht er zugleich, daß der herabgeneigte Kopf der neugierig blickenden schwarzen Hoheit seinen Platz an kompositorisch prägnantem Ort hat. Ein anderes wichtiges Mittel zur Flächenorganisation ist das häufige Zusammenspiel von Positiv- und Negativformen, z.B. in der Zone der Gewandzipfel.
Den Gestalten haftet eine gewisse Skurrilität an und doch haben sie Würde.
Das Bild, das Nolde von diesen Stammesfürsten aus europafernen Regionen gibt, fügt sich ein in sein Themenspektrum, das über die heimische Kulisse (Vgl. Ident.-Nr. SZ Nolde 62) in der Tiefe und der geographischen Weite oft hinausgeht und von nordischen Trollen über sibirische Gutsherrn bis zur Exotik der Südsee reicht.

Text: Alexander Dückers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 452, Kat. VIII.16 (mit weiterer Literatur)