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Palmefka. Bester Butterersatz


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Objektbeschreibung

Das Werbeplakat für einen Butterersatz namens Palmefka inszeniert ein Produkt, das auf pflanzlichen Fetten wie Palmöl oder Kokosfett basiert, und verdichtet kolonialrassistische Vorstellungen in Bildsprache und Farbwahl. Seit dem 19. Jahrhundert wurden diese Rohstoffe in großem Maßstab aus kolonisierten Regionen Afrikas, Asiens und den Amerikas nach Europa gebracht – begleitet von Landraub, Zwangsarbeit und ökologischer Zerstörung. Wie Honold und Scherpe (2004) zeigen, wurden solche Rohstoffe nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell verarbeitet: Werbung, Ausstellungen und Produktinszenierungen machten sie zu Symbolen von Exotik und Genuss, verschleierten dabei jedoch die Gewaltverhältnisse ihrer Beschaffung und Herstellung.

Im Plakat wird dieses „Fremde“ ästhetisiert und konsumierbar gemacht. Die Schwarze Figur erscheint in klar dienender Haltung – körperlich unterwürfig, mit Blick und Gestus auf das Produkt ausgerichtet. Auffällig ist die stark überzeichnete Gestaltung des Gesichts: Die Lippen sind überproportional groß und in leuchtendem Rot hervorgehoben, ein visuelles Motiv, das auf karikaturhafte, entmenschlichende Stereotype zurückgreift. Diese Überbetonung körperlicher Merkmale knüpft an Bildtraditionen an, die Schwarze Körper im westlichen Diskurs zwischen 19. und frühem 20. Jahrhundert dehumanisierten und sexualisierten.

Die Farbkomposition verstärkt die koloniale Hierarchie: Der dunkle Hautton der Figur kontrastiert hart mit dem warmen Hellgoldton des Hintergrunds, der vermutlich auf die gelbliche Farbe des beworbenen Produkts anspielt. Damit wird eine visuelle Binarität geschaffen, wie sie der Literaturtheoretiker Edward Said in Orientalismus (1978) beschrieben hat: zwischen einem vermeintlich zivilisierten, überlegenen weißen Westen und einem exotisierten, untergeordneten Anderen. Werbefiguren dieser Art dienen als „visuelle Platzhalter“ für tropische Exotik, deren Wert ausschließlich in ihrer dienenden Funktion für den Konsum liegt.

Wie der Psychiater, Schriftsteller und Vordenker der Dekolonialisierung Frantz Fanon betonte, ist Kolonisierung nicht möglich, ohne die Kolonisierten als „minderwertig“ zu definieren. Rassistische Darstellungen wie im Palmefka-Plakat sind Ausdruck dieser Abwertung – nicht nur in der ökonomischen Praxis, sondern auch in der visuellen und kulturellen Codierung. Solche Bilder machten koloniale Herrschaft unsichtbar und zugleich kulturell akzeptabel. Sie verankerten rassistische Hierarchien in Alltagsästhetik und verknüpften den Konsum kolonialer Waren mit imperialem Zugehörigkeitsgefühl.

Das Plakat ist damit mehr als Werbung: Es ist ein Fragment einer rassistischen weißen globalen Erzählung, die über Jahrhunderte hinweg Schwarzsein durch die Brille kolonialer Macht definierte – und deren visuelle Muster bis heute nachwirken.

Recherche und Text: Ibou Coulibaly Diop

Zitierte Literatur:
_Walter Honold, Klaus R. Scherpe (Hg): Mit Deutschland um die Welt. Eine Kulturgeschichte des Fremden in der Kolonialzeit, Stuttgart 2004
_Edward W. Said: Orientalism, New York 1978
_ Frantz Fanon: „Rassismus und Kultur“, in: Frantz Fanon. Schriften, Hamburg 2011, S. 715–726

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Im Zuge der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts war in Europa der Bedarf an preisgünstigen Fetten stark angewachsen – etwa für die Herstellung von Seifen, Kerzen, Schmiermitteln und zunehmend auch von Nahrungsmitteln wie Margarine. Weil tierische Fette wie Butter oder Rindertalg teuer und knapp waren, suchte die Industrie vermehrt nach pflanzlichen Alternativen. Hier konnte der massenhafte neue Bedarf nicht über heimischen Anbau abgedeckt werden, daher wurden Palmöl aus Westafrika und Kokosöl aus Südostasien und dem Pazifik zu zentralen Import-Rohstoffen. Europäische Kolonialmächte eigneten sich Anbaugebiete an, förderten Monokulturen und setzten Zwangsarbeit ein, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Die dadurch letztendlich billigeren pflanzliche Fette verdrängten vielerorts traditionelle Milchfette und wurden zu einem Symbol für industrielle Modernisierung. Neue Marken für Margarinen, Koch- und Backfette aus Palmöl schossen wie Pilze aus dem Boden, mit Namen wie Palmin, Palmona oder Palmefka. Die Werbung für solche Produkte zeigte entweder glücklich wohlgenährte und kulinarisch versierte Weiße (Kinder, Köche, Hausfrauen) oder rassistische Darstellungen von Kolonisierten – wie im Fall dieses herbeieilenden Dieners im Plakat für Palmefka Butterersatz. Die extraktive Logik der Fettproduktion in kolonisierten Regionen trug wesentlich zur ökonomischen Ausbeutung, ökologischen Zerstörung und sozialen Umstrukturierung in den betroffenen Gebieten bei. Die globalen Fettmärkte des 19. Jahrhunderts, die im Kontext von Kolonialisierung und Industrialisierung der Lebensmittelindustrie entstanden, wirken bis heute weiter: Es ist frappierend, wie viele Lebensmittel in europäischen Supermärkten aktuell noch immer mit Palmöl hergestellt sind, und der Kampf gegen Tropenrodung und Raubbau ist bei weitem noch nicht gewonnen.

Text und Recherche: Christina Thomson

Verwandte Werktexte:
_Palmefka. Feinste Pflanzenbutter-Margarine (ID 2715390)
_Indische Blumenseife (ID 2645455)

Weiterführende Quellen:
_Heike Biermann: „Pflanzenöl und Kolonialismus. Die Palmölproduktion in Westafrika im 19. Jahrhundert“, in: Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 55, Nr. 2 (2007), S. 72–89


//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Pla-katen wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.

_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/