Schutzgöttin Bodhisattva Mahamayuri
Objektbeschreibung
Diese buddhistische Schutzgöttin ist dreigesichtig, sechsarmig und sitzt auf einem Pfau. Von den machtvollen Attributen, die sie in ihren Händen hält, sind nur das Schwert, ein Gefäß mit Juwelen und der Schaft des Siegesbanners erhalten. Die Darstellung der Mahamayuri Vidyarajni (große Pfauen-Weisheitskönigin) symbolisiert die Kraft des furchtlosen Pfaus, der giftige Schlangen frisst. In Indien entstand sie als Verkörperung einer Schutzformel gegen Schlangenbisse und Krankheiten. Als vierarmige Gottheit hingegen, stand sie in China ab dem 8. Jahrhundert im Zentrum eines kaiserlichen Rituals. Dieses sollte die regenspendenden Drachen unter Kontrolle halten, um eine ertragreiche Ernte und damit die Stabilität des Kaiserreichs zu gewährleisten.
Die Figur ist kulturhistorisch bedeutsam, weil sie komplexe, innerasiatische Verflechtungen dokumentiert. In der sechsarmigen Darstellung auf dem Pfau, verschmelzen zwei verschiedene buddhistische Konzepte der Mahamayuri, die sich zeitlich und räumlich voneinander getrennt entwickelt hatten.
Entstanden ist sie am Kaiserhof der Ming-Zeit im frühen 15. Jahrhundert unter dem Einfluss tibetischer Mönche und nepalesischer Künstler. Sie trägt die Inschrift der Ming Xuande (1426-1435 CE) Periode.
Autorin: Bernadette Bröskamp
Ausstellungskatalog „Ahnen, Göttinnen und Helden, Skulpturen aus Asien, Afrika und Europa“ 2023, Deutscher Kunstverlag, Seite 21.