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Objektbeschreibung

Die frühesten bekannten Landschaftszeichnungen Bruegels (aus dem Jahr 1552) waren Naturaufnahmen, die unberühmte Gegenden treffsicher und stimmungsvoll festhielten. Offenbar entsprach diese Haltung nicht den Kunstanschauungen der Zeit, denn schon im selben Jahr ging der Künstler dazu über, Landschaften zu komponieren aus hohen Bergen, weiten Tälern und einem Strom, der sich ins offene Meer ergießt. Es ist, als hätte man den beschränkten Gesichtskreis des Menschen uninteressant gefunden, verglichen mit einer visionären Wiedergabe eines Stücks Welt, wie es ein menschliches Auge kaum je sehen kann, es sei denn, er stünde auf hohem Berg oder schwebte wie ein Vogel übers Land. Solche Wiedergabe der Lebensbühne »aller« Menschen regt an zu distanzierterem Ansehen der eigenen Person, jedenfalls zu mehr Nachdenklichkeit. Darüber hinaus will die Radierung Bruegels - die einzige, die er selbst radiert hat - noch mit der Lebensweisheit eines Sprichworts belehren; leider aber fehlt auf dem Unterrand des Blattes die Aufschrift, die uns aufklärt. Vielleicht: wer auf zwei Hasen zielt, trifft keinen. Wer das rechte Ziel, d.i. Gott, verfehlt, fällt dem Teufel anheim. Der hinter dem Baum hervortretende Jäger könnte als Menschenjäger, d.i. Teufel, gemeint sein. Spekulationen und Mehrdeutigkeit waren dem manieristischen Geschmack besonders reizvoll.

Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 184, Kat. IV.23 (mit weiterer Literatur)