Bodhidharma mit nur einem Schuh
Objektbeschreibung
Die phantasiereichen Geschichten, die das Leben, Wirken und Wesen Bodhidharmas (j. Daruma), des indischen Begründers des Chan- oder auf Japanisch Zen-Buddhismus in China verklären, enden nicht mit seinem Tod im Reich der Mitte. So erzählt eine schon im 10. Jahrhundert aufgezeichnete Legende, Bodhidharma sei nach seinem Tod auferstanden und nach Indien zurückgekehrt. Dabei begegnete er dem von einer Pilgerfahrt aus Indien heimkehrenden chinesischen Mönch Song Yun (1. Hälfte 6. Jahrhundert), der dem chinesischen Kaiser berichtete, Bodhidharma hätte bei dieser sonderbaren Begegnung nur einen Schuh getragen. Als der Kaiser das Grab Bodhidharmas öffnen ließ, fand man dort angeblich tatsächlich nur den zweiten Schuh. Diese Legende ist ein beliebtes Motiv in der Malerei Ostasiens. Meist wird der Gründerpatriarch barfüßig und mit einem roten Gewand angetan, nach rechts blickend konterfeit. In seiner Hand trägt er einen einzelnen Schuh.
Kano Kōi wurde von Kano Eitokus (1543–1590) Sohn Kano Mitsunobu (ca. 1561/1565–1608) ausgebildet und später in die Kano-Familie adoptiert. Eitoku war zweifelsohne der bedeutendste Kano-Maler in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und leitete unter anderem die Ausmalung der Burg-Residenzen der Militärherrscher Oda Nobunaga (1534–1582) und Toyotomi Hideyoshi (1536–1598). Mitsunobu wurde als einer der ersten Kano-Maler für die Shogune aus dem Hause Tokugawa tätig und verlegte seine Werkstatt von Kyoto in deren Residenzstadt Edo, die sodann bis ins späte 19. Jahrhundert zum Hauptbetätigungsfeld der Kano wurde. Kōi stand im Dienst einer Seitenlinie der Tokugawa, die in der Provinz Kii (heute Präfektur Wakayama) herrschte. Zeitgenössische Quellen beschreiben ihn als einen der begabtesten Maler zu Beginn des 17. Jahrhundert. In der Nachwelt wurde er jedoch vom Ruhm seiner Neffen Tan’yū, Naonobu und Yasunobu überschattet, die im Dienst der Tokugawa in Edo standen. Dieses auf einem aus kleineren Papieren zusammengefügten Grund ausgeführte Bodhidharma-Bild belegt eindrucksvoll Kōis ausdrucksstarke Pinselsprache.