Objektbeschreibung
Die vollständig erhaltene Schüssel steht auf einem hohen, leicht konisch zulaufenden Standring. Das Gefäß erweitert sich zu einer flachen Schale mit nur wenig gewölbter Wandung, die sich nach einem Knick einwärts gerichtet fortsetzt. Innen- und Außenseite wurden zuerst mit einer hellbraunen Engobe, dann mit einer blassgelben Glasur überzogen. Die Standringlippe zeigt wenige Flecken einer braunen Glasur, die vielleicht beim Ineinanderstapeln von Gefäßen beim Trocknen oder Brennen von einem anderen Gefäß übernommen wurde. Der Dekor in Sgraffitotechnik zeigt innen Doppellinien parallel zum Rand, den Spiegel überzieht flächig ein kompliziertes Muster aus Bändern, das seinen Ursprung wahrscheinlich in Flechtbandmustern hat. Außen wird der Rand von zwei Doppellinien umfahren, zwischen denen alternierend schräg gestellte Blätter sitzen. Über Innen- und Außenseite läuft fleckig und unregelmäßig ein gelbbraunes und graugrünes Oxyd.
Die Schüssel wurde aus der südrussischen Sammlung des A. Merle de Massonneau erworben. Machart und Stil der Verzierung zeigen Verwandtschaft zu einem auf der Krim gefundenen Gefäß (Ernst von Stern, Theodosia und seine Keramik, (Das Museum der Kaiserlich Odessaer Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde), Odessa 1906, S. 76, Nr. 83, Taf. 8).
Lit.: Beate Böhlendorf-Arslan, Spätantike, byzantinische und postbyzantinische Keramik, mit einem Beitrag zur Geschichte der Sammlung von Gabriele Mietke, (Spätantike - frühes Christentum - Byzanz, Kunst im Ersten Jahrtausend, Reihe A: Grundlagen und Monumente, Band 3), Wiesbaden 2013, Kat. 1336.