sog. Hansekanne
Objektbeschreibung
Trinkkrug mit unten gebauchtem Körper und schlankem, am Lippenrand erweitertem Hals. Der Boden ist zugleich die Standfläche. Auf dem Henkelrücken eine Blattranke, im Boden ein Rundmedaillon mit dem geflügelten Markuslöwen und im Deckel eine Rosette in Reliefguss. (Hintze IV, Nr. 995)
Bauchige Kannen und -krüge mit Klappdeckeln aus Zinn fanden im ausgehenden Mittelalter weite Verbreitung. Sie dienten als Schank- bzw. Trinkgefäße für Wasser und Wein. Da sie besonders im norddeutschen und baltischen Raum verbreitet waren, werden sie auch zusammenfassend als Hansekannen bezeichnet.
Bei zahlreichen dieser Gefäße befinden sich im Inneren - meist auf dem Boden, gelegentlich auch an der Unterseite des Deckels - Reliefmedaillons mit christlichen Darstellungen: häufig - so auch bei dieser in Sagan (Schlesien) gefundenen Kanne - die Kreuzigung Christi, seltener ein Agnus Dei, die Muttergottes oder Heiligenfiguren, gelegentlich auch Pilgerzeichen. Solche religiösen Zeichen in profanen Gefäßen sollten apotropäisch - also Unheil abwendend - wirken. Lothar Lambacher