Narihira auf dem Weg zu Prinz Koretaka, aus dem Ise Monogatari
Objektbeschreibung
Kikuchi Yōsai war ein führender Vertreter der Malerei historischer Themen, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach westlichem Vorbild zur Formulierung einer nationalen Identität propagiert wurde. Im Stil der einheimischen Malerei illustriert Yōsai hier eine Episode aus dem Ise monogatari, einem Klassiker der japanischen Literatur. Verfasst gegen Ende des 10. Jahrhunderts, erzählt dieses Prosabeschreibungen und Gedichte vereinende Werk von den Liebesabenteuern des Höflings Ariwara Narihira (825–880). Hier besucht der auf einem Pferd reitende Protagonist in Begleitung eines Dieners mitten im Winter den Prinzen Koretaka. Der Prinz war bei Hofe in Ungnade gefallen und hatte sich daraufhin als Priester in einen einsam in den Bergen gelegenen Tempel zurückgezogen. Das Thema der Loyalität war für den Vorbesitzer dieses Bildes, Klemens Wilhelm Jacob Meckel (1842–1905), der von 1885 bis 1889 im Auftrag der japanischen Regierung das japanische Militär nach preußischem Vorbild organisieren half, sicher von enormer Bedeutung.