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Schüssel mit Blick in eine Straße


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Objektbeschreibung

"Eine streng nach den Prinzipien der Zentralperspektive konstruierte, menschenleere Straße bildet das Hauptmotiv der Schüssel. Den Rand zieren perspektivisch verkürzt dargestellte Instrumente, aus den Bereichen Musik (Laute, Gambe, die antikisierende Doppelflöte, Tamburin, Notenblätter), Wissenschaft (Globus, Armillarsphäre, Astrolab, Winkelmaß) und Kriegskunst (Trophäen aus Waffenrüstungen). Bei den unteren Randmotiven gehen Musik und Krieg sogar eine Verbindung ein (Beinschienen, Schilde und Militärtrommeln).
In dieser Motivwahl kommt ein Epochenmerkmal der Renaissance zum Ausdruck: der Drang nach Erkenntnis und Beherrschung der sichtbaren Welt auf der Grundlage der antiken Wissenschaften. Die Perspektive galt als Medium, um Ordnung in die Vielfalt der Dinge zu bringen. Im wahrsten Sinne des Wortes 'ermessen' wurden sie mittels der dargestellten Instrumente. Die Musik – das Beherrschen der Harmonie – spielte in der Renaissance eine ebenso wichtige Rolle wie die Kriegs'kunst'.
Damals hochaktuell war die militärische Auseinandersetzung Europas mit dem Osmanischen Reich. Höhepunkt der Türkenkriege war 1529 die Belagerung Wiens. Dass zu den dargestellten Kriegstrophäen auch türkische Säbel zählen, mag eine versteckte Anspielung auf die damalige Tagespolitik gewesen sein. Ob auch die auffällige türkisfarbene Glasur ('turchino') in diesem Zusammenhang stand oder nur allgemein eine orientalische Reminiszenz war, sei dahingestellt. Benannt wurde sie nach dem Edelstein Türkis, dessen Herkunft man in der Türkei vermutete. Die Rückseite der Schüssel ist mit kobaltblauen Rankenmotiven bemalt, die wiederum auf chinesische Blau-Weiß-Porzellane Bezug nehmen und bereits damals in Italien 'alla porcellana' genannt wurden. Gerade in Venedig, einem der wichtigsten Handelszentren für den Orienthandel im Mittelmeerraum, waren sowohl nah-, als auch fernöstliche Keramiken bekannt." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden/Berlin 2018, S. 81)

ClKa