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Zwei Episoden aus den "Erzählungen von prächtiger Blüte" (Eiga monogatari)

Sammlung Klaus F. und Yoshie Naumann

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Objektbeschreibung

Die beiden Szenen auf diesem detailreich und aufwändig ausgeführten Stellschirmpaar entstammen den vergleichsweise selten illustrierten „Erzählungen von prächtiger Blüte“ (j. Eiga Monogatari), welche historische Begebenheiten aus dem 10. und 11. Jahrhundert thematisieren. In der literarischen Version liegt das Hauptaugenmerk auf den Kaisern sowie dem zu höchsten Ämtern und tatsächlichen Machthaber aufgestiegenen Aristokraten Fujiwara Michinaga (966–1028). Auf den beiden hier illustrierten Episoden 7 und 19 spielen jedoch Protagonistinnen die zentralen Rollen. Rechts beobachtet eine ganze Gruppe hofaristokratischer Damen durch die Spalten der Bambusrollos aus den Gemächern eines Palastes den Zug eines von Höflingen und Pagen begleiteten Ochsenwagens über eine Brücke. Es handelt sich um die Prozession von Senshi, der Schwester Michnagas, Frau von Kaiser En’yū (959–191, r. 964–984) und Mutter von Kaiser Ichijō (980–1011, r. 986–1011), die auf Pilgerschaft zum Tempel Ishiyamadera aufbricht. Die Umkehrung der Blickhierarchie von der in Illustrationen höfischer Stoffe häufig anzutreffenden Bildfigur des voyeuristisch heimlich Frauen beobachtenden Mannes zu unbeobachtet schauenden Frauen ist im Fall des linken Schirmes noch deutlicher artikuliert. Der Bildkonvention für die Darstellung von Personen der Elite folgend, die das Vorrecht genießen aus geschützter Position schauen zu können ohne selbst beobachtet zu werden, sitzt die durch ein Bambusrollo verdeckte Tochter Michinagas und Gattin von Ichijō, Kaiserin Shōshi, in einer Palasthalle, während auf der Veranda eine ganze Gruppe männlicher Höflinge den Blicken preisgegeben ist. Sie alle betrachten von erhöhter Position eine Aufführung von Musik und Tanz als Feier für Fruchtbarkeit und gute Ernte (j. Dengaku) des Reisanbaus. Die aus China übernommene Darstellung prosperierenden Ackerbaus ist spätestens seit dem 16. Jahrhundert auch in Japan eine Bekräftigung der bestehenden, auf Einkommen aus Landwirtschaft basierenden Gesellschaftsordnung, die im Auftrag der Herrschenden vielfach gemalt wurde. Es ist also davon auszugehen, dass dieses Schirmpaar, vielleicht als Teil einer Brautausstattung, für eine Dame der herrschenden Elite entstand.