Klosterfriedhof im Schnee (Kopie von Unbekannt nach Caspar David Friedrich)
Objektbeschreibung
Caspar David Friedrich »hat jetzt den großen Kirchhof im Winter […] ziemlich fertig, es ist imposant, und die Eichgerippe sind äußerst wahr, doch sieht das Ganze wieder etwas barock und architektonisch aus« (Carl Gustav Carus an Gottlob Regis am 3.5.1819, zit. nach: H. Börsch-Supan und K. Jähnig, Caspar David Friedrich, München 1973, S. 214). Für Paul Ortwin Rave war Friedrichs zwischen 1817 und 1819 entstandenes großformatiges Hauptwerk »Klosterfriedhof im Schnee« eines der bedeutendsten Bilder der deutschen Romantik: »Die Ruine einer gotischen Klosterkirche [...] als ergreifendes Denkmal ehemaliger Glaubenstiefe; [...] Der verschneite Boden mit den Gräbern, die Stämme mit den entlaubten knorrigen Zweigen, der hochstrebende Bau – alles verbindet sich wie zu geheimnisvollem Choral- und Orgelklang« (Deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts, Berlin 1949, S. 304). Friedrich zeigte sein Werk im August 1819 auf der Dresdener Akademieausstellung. Bereits im Februar 1820 erwarb der Berliner Verleger Georg Andreas Reimer das Bild für die beachtliche Summe von 312 Talern. 1912 gelangte das Gemälde aus dem Besitz einer Nachfahrin Reimers, Emma Zeller, in die Nationalgalerie (Caspar David Friedrich, Sämtliche Briefe und Schriften, hg. von J. Grave, P. Kuhlmann-Hodick, J. Rößler, München 2024, S. 454). Der Berliner Bankier und Mäzen, Generalkonsul Paul Freiherr von Merling (1853-1924), hatte diesen Ankauf finanziert (J. Heinen, Ein «jüdisches» Mäzenatentum für moderne französische Kunst?, Frankfurt am Main, 2016, S. 445-448). Seit 1945 gehört das Bild zu den Kriegsverlusten.
Eine im Format identische, vor dem Original entstandene, künstlerisch hochwertige Kopie des 19. Jahrhunderts ist dagegen überliefert. Nicht bekannt ist, von wem die Kopie stammt und wer sie in Auftrag gab. Der Kopist kam Friedrichs Malweise vor allem bei den Bäumen, Büschen, Pflanzen, Figuren sowie bei der Ruinenarchitektur nach dem Vorbild der Greifswalder Jacobikirche erstaunlich nahe. Partien des Himmels dagegen wirken mitunter etwas flächig. Eine Farbreproduktion aus dem Jahr 1937 erlaubt die Annahme, daß der Kopist die Farbigkeit des Originals recht getreu wiederholte. Eine kunsttechnologische Untersuchung des Keilrahmens ergab, daß die Kopie wohl nach 1850 entstand. | Birgit Verwiebe