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Landschaft mit Bauernhaus


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Objektbeschreibung

Eine gegenseitige Vorzeichnung im Amsterdamer Kabinett (Inv. A 3973) mit den Datum 1603, die unsere Radierung nicht nur fast Strich für Strich vorbereitet, sondern zusätzlich noch zur Übertragung durchgedrückt ist, läßt an der Eigenhändigkeit des Drucks zweifeln, da ein solches Verfahren für Künstler-Radierungen unüblich war. Doch kann man in der Handschrift der beiden Werke kaum Unterschiede feststellen, so daß die Entscheidung offenbleiben muß.
Das zentral plazierte, verfallende und offenbar dennoch bewohnte Bauernhaus scheint im Hinblick auf vergleichbare Darstellungen die schlimmen Folgen des Müßiggangs anzuprangern. Denn vorn, neben einem vieldeutig geborstenen Wagenrad spricht eine junge Bäuerin untätig mit einem wohlgekleideten Jüngling, während sie das Füllen der Melkeimer abwartet. Der Vergleich mit der Vorzeichnung zeigt aber, daß gerade einzelne Elemente, die ebenfalls in diese Richtung deuten, im ausgeführten Druck gemildert wurden. So sind die in Tür und Fenster des Hauses erscheinenden Figuren fast ganz zurückgenommen, und die kleine Szene eines vor dem Haus unter der Bank Liegenden, der von einer Frau mit dem Stock geprügelt wird, fehlt in der Radierung völlig.
Daß gerade Bauernhöfe in dieser Zeit ein beliebtes Motiv waren, bezeugen auch viele Skizzen A. Bloemaerts, von denen van Mander berichtet, daß sie nach der Natur aufgenommen wurden. Von de Gheyn selbst ist ein Studienblatt mit ein und demselben Modell in drei Haltungen bekannt (Amsterdam, Inv. A 473), deren eine die Figur des Jünglings unserer Radierung vorbereitet.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 188f., Kat. IV.29 (mit weiterer Literatur)