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Reiterstandbild Großer Kurfürst, Skulptur (Kopie)


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Objektbeschreibung

Im kuppelgewölbten Eingangsbereich des zwischen 1898-1904 errichteten Kaiser Friedrich-Museums (seit 1956 Bode-Museum) steht das Reiterdenkmal des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (regierte 1640-1688), der vor allem als "Der Große Kurfürst" bekannt ist. Es handelt sich hier um eine 1902 maßstabsgetreue galvanoplastische Kopie des damals noch auf der Langen Brücke (heute Rathausbrücke) in Berlin aufgestellten Meisterwerks des Bildhauers und Baumeisters Andreas Schlüter (1659/60-1714). Das Original mit den vier zugehörigen Skaven steht seit 1951 im Ehrenhof des Charlottenburger Schlosses.
Die Entscheidung, eine Nachbildung des Reitermonuments im Entrée des Museums aufzustellen, war besonderen Umständen geschuldet: Bei Restaurierungsarbeiten am Ende des 19. Jahrhunderts musste der schadhafte Sockel durch einen neuen ersetzt werden und gelangte 1901 als Geschenk in den Besitz der Berliner Museen. Wilhelm Bode (1845-1929) veranlasste daraufhin den Nachguß des Denkmals und ließ die Kopie des Reiterstandbildes auf den originalen Sockel im Eingangsbereich des damals noch im Bau befindlichen Museums aufstellen. Im Ehrenhof des Charlottenburger Schlosses befindet sich seit der kriegsbedingten Verlagerung in den späteren Westteil Berlins das originale Bronzewerk Schlüters, der Sockel dort ist hingegen eine 1951 angefertigte Kopie.

Andreas Schlüters berühmtes Denkmal des Großen Kurfürsten gehört unbestritten zu den herausragenden Reitermonumenten des Barocks. Als erstes monumentales Reiterstandbild im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation war es um 1700 nicht allein wegen seiner künstlerischen Qualität, sondern vor allem auch in technischer Hinsicht ein absolutes Novum. Der gebürtige Homburger aber in Paris ausgebildete Bronzegießer Johann Jacobi (1661-1726) wurde 1695 eigens nach Berlin berufen, um Ross und Reiter in einem einzigen Guß zu fertigen - im damaligen Kurbrandenburg eine Meisterleistung, die Jacobi mehr Ehre einbrachte als Andreas Schlüter, dem eigentlichen Schöpfer des Denkmals.

Trotz zeitgenössischer Allongeperücke ist der Kurfürst à l´antique gekleidet, eine unmissverständliche Anspielung auf das berühmteste Reiterstandbild der Antike, dasjenige Marc Aurels - auf dem Kapitol in Rom. Schlüter rezipiert aber auch das während der Französischen Revolution zerstörte Pariser Monument des ebenfalls antikisch gewandeten Sonnenkönigs Ludwig XIV., das François Girardon (1628-1715) zwischen 1685 und 1694 für die Place Louis-Le-Grand (heute Place Vendôme) ausführte. Sie alle ritten - den Göttern gleich - ohne Steigbügel ihre Pferde.

Um die künstlerische Leistung von Andreas Schlüters Reiterbildnis zu begreifen, müssen wir uns die ursprüngliche Platzierung auf einer seitlichen Ausbuchtung im Zentrum der Langen Brücke vor Augen führen. Der von Berlin kommende Passant erblickte das Denkmal zu seiner Linken, wie Friedrich Wilhelm zu seiner Residenz auf der gegenüberliegenden Spreeseite hinübersah. Der Reiter hält ihm mit seiner ausgestreckten Rechten den Kommandosat entgegen, während das Pferd mit aufgerichtetem Haupt und zügigen Schrittes nach vorne strebt. Die Dynamik wird durch die angespannte Muskulatur erzielt, aber auch durch die bewegte, nach oben »aufzüngelnde« Mähne, die, vom Winde erfasst, aus der Stirn weht. Das Reitermonument vermittelt von dieser Seite einen impulsiven, Macht demonstrierenden Eindruck. Eine ganz andere Situation offenbarte sich dem Passanten, wenn er die Brücke vom Schlossareal betrat. Von dort schaute der Souverän über die Köpfe der Passanten hinweg, wobei seine Hand mit dem Kommandostab hinter dem Rücken des Pferdes verschwand. Zugleich veränderte sich erstaunlicherweise die Gangart des Pferdes, die aus dem veränderten Blickwinkel bedeutend ruhiger wirkt. Das dynamische Vorwärtsstrebende ist einem gemässigten Auftritt gewichen, ebenso scheint die wehende Mähne zurückgenommen. Hier tritt nun der friedensstiftende Aspekt des Monumentes in den Vordergrund - die Souveränität und Willensstärke des Großen Kurfürsten, der, von der siegreichen Schlacht kommend, die Zügel fest in der Hand hält und die Geschicke seines Landes lenkt.

Am Sockel sind an den Längsseiten zwei Reliefs angebracht, im Bode-Museum ebenfalls galvanoplastische Kopien nach den originalen Entwürfen Schlüters, welche 1708 von Johann Jacobi gegossen wurden. Während das Relief auf der linken Seite eine Allegorie auf das Kurfüstentum darstellt und sich somit auf die Regierungszeit des im Reitermonument verewigten Kurfürsten Friedrich Wilhelm bezieht, verherrlicht das zweite Relief - die Allegorie auf das Königtum Preußens - die Regierung ihres Auftraggebers König Friedrich I.