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C. Bechstein Pianoforte-Fabrikant Hoflieferant


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Objektbeschreibung

Unter den Frühen Plakaten in der Kunstbibliothek findet sich in überraschendem Umfang Reklame für Klaviere, Flügel, Orgeln und Harmonien. Steinway, Bechstein, Feurich, Manthey und andere europäische Hersteller produzierten Tasteninstrumente in hoher Qualität. Die Vielzahl der Werbeplakate spiegelt einen europäischen Piano-Boom Ende des 19. Jahrhunderts: Im Jahr 1886 etwa wurden allein in Deutschland rund 73.000 Klaviere produziert, in England 35.000, in den USA 25.000, in Frankreich 20.000 (Restle, S. 87). In Berlin gab es über 200 Klavierbauer. 1910 hatte sich die Produktion und der weltweite Export vervielfacht, mit den USA als Marktführer mit 370.000 Klavieren gegenüber 215.000 in Europa produzierten Klavieren (Crombie, S. 49).

Der steile Anstieg der Klavierproduktion ist mit dem Erstarken der Bildungsbürgerschicht in jener Epoche ebenso verbunden wie mit einem wirtschaftlichen Faktor, der eng mit kolonialen Kontexten verknüpft ist: Elfenbein. Tasten, Griffe, Billardkugeln, Kämme – all dies wurde im 19. Jahrhundert vorwiegend aus Elfenbein hergestellt. Im Zuge der kolonialistischen Besetzung afrikanischer und asiatischer Länder wurden Elefantenzähne erstmals in großen Mengen nach Europa verschifft. In den 1890er-Jahren exportierten beispielsweise die deutschen Kolonien in Afrika bis zu 208.000 kg Elfenbein im Jahr – das entspricht (laut einer Berechnung des Hamburger Reeders und Afrikahändlers Adolph Woermann in den 1870er-Jahren) in etwa 10.000 getöteten Elefanten (vgl. Wörrle). Schon früh wurde erkannt, dass die übermäßige Tötung der Tiere nicht nachhaltig ist und zur Ausrottung führen kann – ohne dass diese Erkenntnis jedoch zur Eindämmung der Plünderung an der Fauna geführt hätte. 

Text und Recherche: Christina Thomson

Zitierte Literatur:
_Conny Restle (Hrsg.): Faszination Klavier. 300 Jahre Pianofortebau in Deutschland, München, London, New York 2000
_David Crombie: Piano. Evolution, Design and Performance, London 1995
_Bernhard Wörrle: Beiträge zu Kolonialgeschichten von Sammlungsgut im Blog des Deutschen Museums, 2020, https://blog.deutsches-museum.de/2020/08/14/ein-diorama-und-sein-kolonialer-hintergrund (letzter Zugriff 20.08.2025)


//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Plakaten wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.

_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/


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Der Grafiker Louis John Rhead, von dem die Kunstbibliothek knapp 30 Plakate hat, war 1897 als einziger US-amerikanischer Künstler in der Pariser Ausstellung „Salon de Cent“ vertreten. In den Jahren davor hatte er sich bereits als Plakatgestalter und Illustrator für Zeitschriften einen Namen gemacht. Titelblätter für die Magazine „Scribner’s“, „The Century“ oder „The Sun“ zählten zu Rheads bekanntesten Arbeiten. Seine Motivik war dem europäischen Jugendstil angelehnt: Er verwendete mit Vorliebe blumige Ornamente und markante Farben. Durch die Konturierung seiner Motive erzielte Rhead plakative Wirkung trotz kleinteiliger Darstellungen. Rhead fand Inspiration in den Entwürfen von Eugène Grasset, die er zum Teil zitierte.

Text: Christina Dembny