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Rolandur. Bremer Gummiwerke Roland AG


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Objektbeschreibung

Mit der ersten Patentanmeldung durch Carl Benz 1886 begann der Siegeszug des Automobils. Das motorisierte Personenfahrzeug, um 1900 noch Luxusbesitz in wohlhabenden Kreisen, sollte mit zunehmender Industrialisierung eines der erfolgreichsten Handelsprodukte des 20. Jahrhunderts werden. Neben Motor und Karosserie sind auch die Reifen eine essentielle Komponente des Automobils: Ihr luftbefüllter Gummischlauch – 1888 von Dunlop erfunden – sorgt für Fahrkomfort, die Lauffläche aus Hartgummi für Haftung und Schnelligkeit.

Autoreifen, Fahrradschläuche, Maschinenteile, Tennisbälle, Antirutschsohlen – all diese Renner des frühen Industriezeitalters wurden auf der Basis von Gummi produziert. Auch die Erfindung von Turnschuhen und Gummistiefeln geht auf diese Zeit zurück. Wie eng das Material um 1900 mit kolonialen Kontexten verknüpft war, macht man sich selten klar. Bevor in den 1930er-Jahren die synthetische Kautschukproduktion ins Rollen kam, konnte Gummi nur aus natürlichem Kautschuk brauchbar hergestellt werden. Dieser Rohstoff, gewonnen aus dem Milchsaft tropischer Pflanzen, kam aus Südamerika, Afrika und Südostasien. Nach Europa, wo er nun in großen Mengen industriell weiterverarbeitet wurde, gelangte er Großteils über kolonisierte Gebiete. Dort wurde er unter unmenschlichen Bedingungen der Zwangsarbeit durch einheimische Bevölkerungsgruppen zum Export produziert. Die Brutalität der Kolonialtruppen im belgisch besetzten Kongo, beispielsweise, war infam: Menschen, die in den Regenwaldgebieten lebten, wurden zur Arbeit auf den Kautschukplantagen gezwungen. Bei Verweigerung oder zu schmaler Ernte drohten grausame Strafen, wie Nahrungsentzug, Erhängung oder Verstümmelung durch Abhacken von Händen oder Füßen. Viele Millionen Kongoles*innen starben durch diese Misshandlungen und Ausbeutung. Der Begriff „Gummi-Kolonialismus“ wird heute als Synonym für eine besonders grausame Form kolonialistischer Aktivität verwendet. 

Recherche und Text: Christina Thomson

Ausgewählte Quellen:
_Tristan Oestermann: Kautschuk und Arbeit in Kamerun unter deutscher Kolonialherrschaft 1880–1913, Wien 2023
_Gregg Mitman: Empire of Rubber. Firestone’s Scramble for Land and Power in Liberia, New York 2021
_Emily Lynn Osborn: „Rubber Fever: Commerce and French Colonial rule in Upper Guinée, 1890-1913”, in: The Journal of African History, 45 (2004), S. 445–465


//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Plakaten wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.

_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/