Wenn die Frau als Personifikation der Kunst gezeigt wurde, bezog sich das traditionell auf die klassischen Künste wie Malerei, Zeichnung oder Musik. Auf dieser Darstellung ist, neben Malutensilien wie Staffelei und Farbtuben, rechts eine Fotokamera zu sehen. Um 1900 war die Fotografie dabei, zu der modernsten und neuesten Kunst zu werden. Die Bildsprache im Plakat hinkt dieser Entwicklung jedoch hinterher: Nach wie vor ist es die antik anmutende Nacktheit der Frau, die Aufmerksamkeit erregen soll.
Ein gefördertes Projekt ermöglichte 2021/22 erstmals die digitale Bestandsaufnahme aller Plakate und Plakatentwürfe aus den Jahren 1840 bis 1914 in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin. In ihrer internationalen Vielfalt eröffnen die Plakate ein Panorama der visuellen Kommunikation: Sie illustrieren Design-, Reklame- und Druckgeschichte am Übergang von Historismus und Jugendstil zum Sachplakat, stellen zugleich aber auch wertvolle Dokumente der Zeit- und Kulturgeschichte dar.
Das Digitalisierungsprojekt wurde durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR ermöglicht.
Der Text ist Teil der Online-Ausstellung „Verklärt, begehrt, vergessen – Frauen in der frühen Plakatgestaltung“, die aus einer ersten Auswertung der nun vollständig erfassten Bestände entstand. Sie versteht sich als Anregung für weitere Forschungen. (Text: Christina Thomson / Christina Dembny)