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Silberwaren-Fabrik Wiskemann Zürich


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Objektbeschreibung

Wer laut eines englischen Sprichworts „mit dem Silberlöffel im Mund geboren“ wurde, hat einen von Privilegien und Wohlstand geprägten familiären Hintergrund. Hier ist es ein silbernes Besteck mit Messer und Gabel auf einer Messerbank im Jugendstil-Dekor, das im Sinne eines Statussymbols vermarktet wird – als Accessoire des vornehmen Schweizer Haushalts erhältlich bei der Silberwarenfabrik Wiskemann in Zürich. Um 1910, als das Werbeplakat entstand, war Silber durch seine höhere Verfügbarkeit auf dem globalen Markt so weit im Wert gesunken, dass auch das gehobene Bürgertum sich solchen Luxus leisten konnte. Alte kolonialistische Handelsstrukturen und die industrialisierte Verarbeitung des Rohstoffs in Zentren wie London, Antwerpen oder Amsterdam hatten diese Entwicklung herbeigeführt. Neuerdings kam das Rohsilber zwar auch aus schwedischen, deutschen und österreichischen Minen, doch der größte Teil wurde weiterhin aus Bolivien, Mexiko und anderen spanischen Kolonien in Südamerika importiert. Mit dieser transatlantischen Seeroute – die sich weiter über den Pazifik nach Asien erstreckte – hatte der Silberhandel ab dem 16. Jahrhundert kausal zur Geburt eines „echten Welthandels“ beigetragen: Zu Pesos gepresst und auf das Gewicht einer Unze standardisiert, erfüllte das wertvolle Metall „drei Funktionen des Geldes: als Zahlungsmittel, zur Wertaufbewahrung und als Wertrecheneinheit.“ (Kamenov) Der Silberabbau in Südamerika, der seinen Höhepunkt im 18. Jahrhundert fand, wurde maßgeblich von Zwangsarbeiter*innen betrieben. Die moderne Plakatgestaltung, die sich ganz auf das in Europa hergestellte Produkt konzentriert, lässt von den kolonialen Ursprüngen des Rohsilbers freilich nichts anklingen. Dabei ist kein Zufall, dass künstlerisch in Europa gefertigte Objekte aus Sterlingsilber oft auch mit dem Begriff „Kolonialsilber“ bezeichnet werden.

Recherche und Text: Christina Thomson

Zitierte Literatur:
_Nikolay Kamenov: „Globale Geld- und Warenströme“, mit Kapitel zu Silber, online unter: https://www.bpb.de/themen/kolonialismus-imperialismus/postkolonialismus-und-globalgeschichte/231933/globale-geld-und-warenstroeme/ (letzter Aufruf 10.10.2025)


//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Plakaten wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.

_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/