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Die Gartenlaube das Lieblingsblatt der deutschen Familie


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Objektbeschreibung

Die „Gartenlaube“, hier beworben mit historischer Gartenidylle und dem Untertitel „Das Lieblingsblatt der deutschen Familie“, war die erste und lange auflagenstärkste illustrierte Zeitschrift in Deutschland. Sie erschien ab 1853 in Leipzig bei Ernst Keil, dann ab 1883 in Stuttgart bei Adolf Körner, als Wochenblatt sowie in Form von Monatsheften. Mit der Übernahme durch Körner hatte die „Gartenlaube“ den liberal-pazifistischen Kurs ihrer Anfangsphase gegen pro-preußischen Journalismus eingetauscht: Sie griff nun häufig nationalistische Themen auf und berichtete wohlwollend über die wilhelminische Kolonialpolitik. 1890 beispielsweise wurde der Kolonialaktivist Carl Peters in einem ausführlichen Artikel gewürdigt. Als die Zeitschrift 1904 vom Verlag des rechtsnationalen August Scherl übernommen wurde, intensivierte sich die nationalkonservative Ausrichtung, und ab 1914 machte sich zum Sprachrohr der Kriegspropaganda. Auch im Nationalsozialismus und während des Zweiten Weltkriegs zeigte die Illustrierte sich staatstreu.

Ein zentraler Teil des Verkaufserfolges der „Gartenlaube“ waren Fortsetzungsromane, etwa von Wilhelmine Heimburg oder Ludwig Ganghofer, in denen es oft um Heimatliebe, Pflichterfüllung, traditionelle Rollenbilder und christlich-konservative Werte ging. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs kamen Autoren wie Otto von Gottberg ins Programm, dessen Marineroman „Die werdende Macht“ das militärische Kaiserreich glorifizierte (vgl. ID 922189). Mit ihren hohen Auflagen und umfangreicher Werbung war die „Gartenlaube“ sehr präsent im deutschen Alltag, sodass ihre prokolonialistischen Botschaften Massen erreichten. In der Sammlung der Kunstbibliothek finden sich rund 30 Plakate, die für die Illustrierte oder ihre Begleitpublikationen werben.

Recherche und Text: Christina Thomson

Verwandte Werktexte:
_Die werdende Macht (ID 922189)

Ausgewählte Quellen:
_Magdalene Zimmermann, Die Gartenlaube als Dokument ihrer Zeit, München 1967, S. 126.
_Heide Radek, Zur Geschichte von Roman und Erzählung in der Gartenlaube, Diss. Erlangen 1967


//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Pla-katen wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.

_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516

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Paul Scheurich, der von 1900 bis 1902 an der Berliner Kunstakademie studiert hatte, war in vielen künstlerischen Bereichen tätig. Als Zeichner und Grafiker entdeckte er das gebrauchsgrafische Metier als Auftragsfeld für sich: Er entwarf Plakate und andere Werbemedien, illustrierte Zeitschriften und Bücher. Als Maler schuf er häufig Arbeiten für das Theater, etwa Bühnenbilder für Max Reinhardt im Jahr 1913. Berühmt wurde Scheurich jedoch als Kleinplastiker: Seine vom Rokoko inspirierten Figuren für die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen (wo er auch eine Professur innehatte), die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin sowie die Porzellanmanufaktur Nymphenburg sind bis heute Sammlerstücke. Unter dem nationalsozialistischen Regime wurde Scheurich gefördert. 

In der Plakatgestaltung arbeitete Paul Scheurich oft mit figurativen, humoristisch überzeichneten Motiven. 1905 engagierte ihn die „Kunstanstalt Hollerbaum und Schmidt“, eine Berliner Druckerei und Werbeagentur, die wegweisend für den Umbruch zur Moderne in der Plakatgestaltung und Druckgrafik war. Gegründet 1897 von Erich Gumprecht, etablierte sie eine neue Form der Werbung in Deutschland. Vom Entwurf bis zum fertigen Druckerzeugnis bot Hollerbaum und Schmidt erstmals alle reklamerelevanten Dienstleistungen gebündelt an. Erfolg brachte vor allem eine weitere Innovation: Die Kunstanstalt nahm moderne, junge Plakatkünstler*innen unter Vertrag, die exklusiv für sie arbeiteten und ihren Stil prägten. So entwickelte sich das Berliner Sachplakat – eine ornamentfreie Gestaltungsart, die auf Fernwirkung abzielte. 

Text: Christina Dembny / Christina Thomson