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Ohne Titel ("Suprematistische Satelliten" und "In suprematistischem Raum"), Doppelseite aus dem Buch "Suprematismus. 34 Zeichnungen"


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Objektbeschreibung

Im Werk von Malewitsch, der 1904 nach Moskau übersiedelt, schlagen sich ab 1909 die zeitgenössischen Strömungen der europäischen Moderne wie Fauvismus, Expressionismus und Kubismus nieder. Im folgenden Jahr werden die Ideen der Futuristen in Rußland bekannt, und Malewitsch entwirft 1913 für die in St. Petersburg aufgeführte »erste futuristische Oper« (»Sieg über die Sonne« von Krutschenych und Matjuschin) die Kostüme und die Bühnendekoration, in der bereits Quadrate und freie geometrische Gebilde auftreten. Und in dieser Zeit beginnt er auch, seine Vorstellung vom Suprematismus zu entwickeln.
1915 zeigt er in der Petrograder Ausstellung »O. 10« die »Nullform« seiner neuen Kunst, das Gemälde »Schwarzes Quadrat auf weißem Grund«. Um sie »vom Ballast der gegenständlichen Welt zu befreien«, gibt er dem inneren Gesetz der Kunst den absoluten Primat, die Suprematie (Malewitsch, Suprematismus, S. 19). »Die Zersetzung der gegenständlichen Welt bedeutet noch lange nicht die Zersetzung der Kunst oder die Zerstörung des Geistes der Kunst. Im Gegenteil, sie setzt den Geist der Kunst erst wieder in seine Rechte ein, hebt ihn in die gegenstandslose Wahrheit, in eine neue Wirklichkeit des Seins.« (Malewitsch, ebda., S. 67)
Die Lithographien des Buches »Suprematismus« zeichnet Malewitsch in Witebsk, an dessen Kunstschule er vom Herbst 1919 bis zum Sommer 1922 als Lehrer tätig ist (s. auch Kat. VIII.33). Die 34 Blätter, deren innere Dimension das zuweilen miniaturhaft kleine Format vergessen macht, vergegenwärtigen das ganze Repertoire seines suprematistischen Schaffens von der »Nullform« bis zu den dynamischen Diagonal-Kompositionen, die Assoziationen an das Fliegen und an Malewitschs Idee von den »Planiten« auslösen. »Schwebende Pianiten (›Plan‹ abgeleitet von Aeroplan) werden den neuen Plan der Städte und die Form der Häuser... bestimmen. In ihnen werden die Geräusche künftiger Musik ertönen, die neuen Stimmen im neuen Chor der Planiten.« (Malewitsch, ebda., S. 274)
Nach der Revolution von 1917 gelten der Suprematismus und Tatlins Konstruktivismus für einige Jahre als authentischer Ausdruck des gesellschaftlichen Umbruchs. Die neugewonnene Freiheit der Kunst und die soziale Befreiung werden als parallele, ihrem Wesen nach verwandte Ereignisse empfunden. Mit der Einführung der »Neuen ökonomischen Politik« kündigt sich 1922 jedoch auch in der Kulturpolitik ein entscheidender Wandel an. Jetzt ruft eine Künstlergruppe dazu auf, »den größten Augenblick der Geschichte« festzuhalten »in den monumentalen Formen und Stilen eines heroischen Realismus« (s. Drengenberg 1972, S. 40).

Text: Alexander Dückers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 468, Kat. VIII.34 (mit weiterer Literatur)