Logo

Holzkästchen mit eingebrannten Ornamenten


FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Aufklappbares Kästchen mit quadratischen und blütenartigen Ornamenten. Erworben wurde es - zusammen mit dem zugehörigen Werkstattequipment - in einer Holzbrandwerkstatt im bulgarischen Trojan.

Erworben wurde der Kasten - zusammen mit dem zugehörigen Werkstattequipment - in einer Holzbrandwerkstatt im bulgarischen Dorf Oresak/Oreschak in der Nähe der Stadt Troyan. Hier entstand auch eine fotografische Dokumentation des Produktionsprozesses (VIII Eu 2488-2496).

In Oresak, wo das Objekt erworben wurde, besuchte Küppers u.a. auch das ortsansässige und bedeutende Kloster Troyan.

Oresak und Troyan waren im 19. und 20. Jahrhundert Zentren der Holzbearbeitung. Die waldreiche Region und die günstige Lage der Stadt auf Handelsstraßen zwischen Ost und West und Nord und Süd und ihren regelmäßig stattfindenden Märkten schufen hierfür ideale Voraussetzungen. Auch das Kloster und die Kirche schufen eine kontinuierliche Nachfrage. Dies galt für Drechsler-Werkstätten aber auch für die Holzbrandtechnik. Allein im Dorf Oresak gab es so im späten 19. Jahrhundert über 50 Werkstätten für die Holzbearbeitung, die Dinge sowohl für den täglichen Bedarf, aber auch für eher "touristische" Zwecke oder als Andenken herstellten. Dies bezeugen Kästchen, Dosen und andere Produkte etwa mit Motiven aus der Volkskunst oder Abbildungen bedeutender Persönlichkeiten oder mit Stadtansichten, die im Museum Troyan ausgestellt bzw. in den Depots verwahrt werden. Auf verschiedenen Ausstellungen in Europa wurde die Brandmalerei fortan als "typisch bulgarisches" Kunsthandwerk.
 
Ein Pionier der Brandmalerei in Oresak und dessen Professionalisierung war ab 1921 der aus Lowetsch stammende Vasil Danchev. Die Fertigung erfolgte in den 1930er Jahren bereits ausschließlich mit elektrisch betriebenen Pyrographen und häufig in Familienproduktion. Der Ort war früh elektrifiziert worden, sodass mehrere Holzbrandgriffe an einer strombetriebenen Maschine angeschlossen werden konnten.           
Der Sammler Gustav-Adolf Küppers besuchte Bulgarien erstmals während seiner 4. Sammelreise für das Museum für Völkerkunde (Abt. Eurasien) im Jahr 1938. Eindrücke seiner Reise finden sich u.a. in einem Aufsatz (Küppers, Auf den Spuren der Goten durch Bulgarien, Volk und Rasse 8 (1939), 173-179). In diesem Text wird auch der rassenbiologische Aspekt von Küppers Reisen deutlich, der neben dem Museum auch im Auftrag des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Eugenik und menschliche Erblehre unterwegs war und für dieses Fotografien und Handabdrücke anfertigte.