Spinnrocken (preslica)
Objektbeschreibung
Spinnrocken wurden von volkskundlichen Museen in Südosteuropa schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts gesammelt. Auch das Museum in Berlin sammelte sie als klassische Zeugnisse der "Volkskunst".
Der Sammler Gustav-Adolf Küppers erwarb diesen Spinnrocken auf seiner letzten von insgesamt fünf Reisen nach Südosteuropa im heute kosovarischen Ort Sërboc (alb.) bzw. Srbovac (srb.). Es ist einer von dutzenden Spinnrocken, die er für die Sammlung erwarb und ist zugleich das einzige Exemplar, auf dem sich noch ein Rest der ursprünglich angebrachten Farbe erhalten hat.
Die händische Verarbeitung von Rohwolle mithilfe von Spinnrocken und anderem Gerät verlor im frühen 20. Jahrhundert auch in Südosteuropa an Bedeutung; auch hier wurden immer mehr maschinell verarbeitete Stoffe benutzt, die in Geschäften und auf Märkten erworben wurden.
Spinnrocken behielten jedoch auch darüber hinaus eine große symbolische Bedeutung. Sie waren ein häufiges Hochzeitsgeschenk, wurden z.T. sogar zur Geburt verschenkt und waren anschließend in Nutzung und wurden permanent am Körper getragen. Die Bedeutung und enge Verbindung von Spinnrocken und Nutzerin äußert sich u.a. dadurch, dass sie zum Teil auch als Beigabe ins Grab gegeben wurden oder auf Grabsteinen ein Spinnrocken abgebildet war. Zudem wurden sie auch häufig vererbt und von nachfolgenden Generationen in Ehren gehalten. Diese Praxis existiert zum Teil bis heute, wenn auch die Spinnrocken nicht mehr benutzt werden, sondern etwa als Erinnerungsstück oder zur Zierde an die Wand gehängt werden.