Pokal mit Bildnis König Friedrichs II. von Preußen
Objektbeschreibung
Stutzerpokal aus farblosem Glas, der ansteigende Fuß ist mit
Rundfacetten dekoriert und akzentuiert vergoldet. Er geht in einen sehr
kurzen Massivschaft über. Die hohe Kuppa ist am Ansatz stark verdickt
und mit Ovalkugelungen zwischen scharfkantigen Rippen dekoriert,
letztere sind ebenfalls vergoldet. Die Kuppa ziert ein mit der
preußischen Bügelkrone bekröntes Medaillon mit dem Profilbildnis
Friedrichs II. in Harnisch und mit Zopf, darunter Gitterwerkdekor mit
dem Monogramm "FR II", für Fridericus Rex II. Das Medaillon wird auf
beiden Seiten von Füllhörnern gerahmt, darüber die Inschrift: Salus
Patriae (quasi: Auf das Wohl des Vaterlandes). Den verwärmten
Mündungsrand ziert ein geblänkter Kugelfries.
Formal handelt es sich bei dem qualitativen Glas um einen sogenannten
"Stutzerpokal", ein Produkt der Zechliner Glashütte aus der Zeit um 1750
und etwas früher (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Abb. 16,
S. 60 und Abb. 48, S. 103). Ein Deckelpokal mit nahezu identischer
Schaftform, sehr ähnlichem Dekor mit Verherrlichung Friedrichs II.
(1712–1786) sowie der gleichen Inschrift wird von Robert Schmidt dem
Glasschneider Elias Rosbach (um 1700–1765) zugeschrieben (ebenda, Taf.
32.2). Gut denkbar, dass auch dieser Pokal von seiner Hand ist. Sehr
wahrscheinlich entstanden beide Gläser im Zusammenhang mit der Krönung
Friedrichs am 31. Mai 1740. Wohl mangels einer aktuellen Vorlage
orientiert sich sein Porträt noch an Profilbildnissen seines Vaters
"Soldatenkönigs" Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) auf anderen Gläsern,
mit denselben stereotypischen Merkmalen: Der lange Perückenzopf, das
eingedrehte Schulterstück der Rüstung und Ansätzen eines Doppelkinns
(vgl. ebenda, Kat. 2 und 3, S. 17; Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten,
2017, Kat. 53 und 55, S. 120-122; Klesse, Glassammlung Krug, 1965, Kat.
265). Lediglich die Beischrift "FR II" kennzeichnet den Dargestellten
als neuen König. Ein zuvor zugeordneter Deckel (Inv. Nr. O-1982,84 b)
ist nicht zugehörig, er passt nicht. Sabine Baumgärtner datiert ein
Pendant mit Darstellung Königin Sophie Dorotheas (1687–1757), der Mutter
Friedrichs II., irrtümlich auf um 1730 (Baumgärtner, Bildnisgläser,
1981, Kat. 5). [Verena Wasmuth]
MAKR