7 Ergebnisse
Objekttyp: Glaspokal
Pokal mit Darstellung der Vier Jahreszeiten
Kunstgewerbemuseum
Großer Pokal aus farblosem Glas, Abriss matt ausgeschliffen, breiter Tellerfuß mit hochgeschnittenem, mattiertem Akanthusblattfries, der niedrige Massivschaft ist aus einem gestauchten Baluster und Nodus sowie drei Trommelscheiben komponiert, der Baluster mit versenktem Spitzblattdekor und Linsen, der Nodus mit Akanthusblattdekor und die Scheiben mit einem spitz zulaufenden Ornament, das sie wie geflochten anmuten lässt. Der Akanthusblattfries wiederholt sich am Ansatz und Mündungsrand der becherförmigen Kuppa. Das mittlere Register der Wandung ist von einem umlaufenden Ornamentband mit vier Medaillons verziert, dessen Zwischenräume von Arabesken, Feldern mit Netzwerkdekor, Blumenvasen und Jakobsmuscheln gefüllt werden, auf denen Adler mit ausgebreiteten Schwingen sitzen und an denen kleine Medaillons mit Dreiviertel- und Profilbildnissen von Damen hängen. Die Medaillons sind mit allegorischen Darstellungen der Vier Jahreszeiten dekoriert, jeweils auf einem würfelförmigen Hocker sitzend: ein Amorknabe mit Füllhorn voller Blumen steht für den Frühling, ein Krieger mit Ährenbündeln für den Sommer, ein Bacchant mit Rebenkrone und Füllhorn für den Herbst und ein alter Mann für den Winter. Das Glas ist krank. Dieser Pokal gelangte gemeinsam mit einem Deckel in den Bestand, dessen Glasmasse viel reiner und schwerer ist und dessen Akanthusblattdekor in zahlreichen Details abweicht. Der Deckel ist nicht zugehörig und dürfte ins 20. Jahrhundert datieren. Bei dem Pokal hingegen handelt es sich um ein Glas vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Ein stilistisch eng verwandtes Beispiel von gleicher Hand im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe wurde vermutlich anlässlich der Hochzeit König Friedrichs I. (1657–1713) mit seiner dritten Gemahlin Sophie Luise (1685–1735) im Jahr 1708 angefertigt (Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 48, S. 115, 116; Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Abb. 46, S. 94; Saldern, Glas, 1995, Kat 83 mit weiterführender Literatur; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 27.2). Die Vier Jahreszeiten sind wie viele von der Glaskunst aufgegriffene Sujets ein Thema, das sich durch die gesamte abendländische Kunstgeschichte zieht. Die Qualität des Schnitts auf diesem Pokal spricht für einen namhaften Meister. [Verena Wasmuth] MAKR
Vivatglas auf Königin Sophie Dorothea von Preußen
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus farblosem Glas, breiter Fuß mit ausgekugeltem Abriss am Boden, dekoriert mit einem versenkten und mattierten Spitzblattfries, der massive Schaft ist komponiert aus einem Baluster ebenfalls mit Spitzblättern sowie einem Nodus mit Kugelfries zwischen Trommelscheiben. Am Ansatz der becherförmigen Kuppa wiederholt sich der Spitzblattdekor. Die Schauseite der Wandung ist mit einem mattgeschnittenen Medaillon mit Profilbildnis der Königin Sophie Dorothea von Preußen (1687–1757) geschmückt, bekrönt von der Bügelkrone, gerahmt von Füllhörnern. Die Gegenseite zeigt ihr ebenfalls von der Bügelkrone bekröntes Ligaturmonogramm SDR (Sophie Dorothea Regina). Der verwärmte Mündungsrand ist mit einem polierten Kugelfries dekoriert. Ein ehemals zugeordneter Deckel (Inv.-Nr. O-1982,88 b) ist nicht zugehörig, er weist einen nicht korrespondierenden Dekor auf. Potsdamer Gläser mit der stereotypen Darstellung Sophie Dorotheas, Gemahlin des als "Soldatenkönig" bezeichneten Friedrich Wilhelm I., sind in vergleichsweise großer Anzahl überliefert und bezeugen den schlagartigen Anstieg des Genres nach deren Thronbesteigung im Jahr 1713. Individuelle Merkmale der Abgebildeten waren für die Glasschneider nebensächlich. Zur Wiedererkennung griffen sie auf markante Details von Vorlagen zurück, meist Münzen. So helfen die übernommene Eigenart der Frisur oder Bekleidung bei einer zeitlichen Einordnung dieser Exemplare. Die für dieses Glas zugrundeliegende Münze konnte nicht ermittelt werden. Ein vergleichbarer Becher mit dem Profilporträt Sophie Dorotheas, ebenfalls mit Hermelinmantel um die Schultern und Perlen im Haar, verwahrt die Stiftung Stadtmuseum Berlin (Inv.-Nr. II 94/114 A, publiziert im Themenportal "Brandenburgisches Glas" auf museum-digital.de). Es datiert in die Zeit 1735 bis 1740. [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal mit Bildnis König Friedrichs II. von Preußen
Kunstgewerbemuseum
Stutzerpokal aus farblosem Glas, der ansteigende Fuß ist mit Rundfacetten dekoriert und akzentuiert vergoldet. Er geht in einen sehr kurzen Massivschaft über. Die hohe Kuppa ist am Ansatz stark verdickt und mit Ovalkugelungen zwischen scharfkantigen Rippen dekoriert, letztere sind ebenfalls vergoldet. Die Kuppa ziert ein mit der preußischen Bügelkrone bekröntes Medaillon mit dem Profilbildnis Friedrichs II. in Harnisch und mit Zopf, darunter Gitterwerkdekor mit dem Monogramm "FR II", für Fridericus Rex II. Das Medaillon wird auf beiden Seiten von Füllhörnern gerahmt, darüber die Inschrift: Salus Patriae (quasi: Auf das Wohl des Vaterlandes). Den verwärmten Mündungsrand ziert ein geblänkter Kugelfries. Formal handelt es sich bei dem qualitativen Glas um einen sogenannten "Stutzerpokal", ein Produkt der Zechliner Glashütte aus der Zeit um 1750 und etwas früher (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Abb. 16, S. 60 und Abb. 48, S. 103). Ein Deckelpokal mit nahezu identischer Schaftform, sehr ähnlichem Dekor mit Verherrlichung Friedrichs II. (1712–1786) sowie der gleichen Inschrift wird von Robert Schmidt dem Glasschneider Elias Rosbach (um 1700–1765) zugeschrieben (ebenda, Taf. 32.2). Gut denkbar, dass auch dieser Pokal von seiner Hand ist. Sehr wahrscheinlich entstanden beide Gläser im Zusammenhang mit der Krönung Friedrichs am 31. Mai 1740. Wohl mangels einer aktuellen Vorlage orientiert sich sein Porträt noch an Profilbildnissen seines Vaters "Soldatenkönigs" Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) auf anderen Gläsern, mit denselben stereotypischen Merkmalen: Der lange Perückenzopf, das eingedrehte Schulterstück der Rüstung und Ansätzen eines Doppelkinns (vgl. ebenda, Kat. 2 und 3, S. 17; Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 53 und 55, S. 120-122; Klesse, Glassammlung Krug, 1965, Kat. 265). Lediglich die Beischrift "FR II" kennzeichnet den Dargestellten als neuen König. Ein zuvor zugeordneter Deckel (Inv. Nr. O-1982,84 b) ist nicht zugehörig, er passt nicht. Sabine Baumgärtner datiert ein Pendant mit Darstellung Königin Sophie Dorotheas (1687–1757), der Mutter Friedrichs II., irrtümlich auf um 1730 (Baumgärtner, Bildnisgläser, 1981, Kat. 5). [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal mit erotischer Szene
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus farblosem Glas mit flachem, leicht ansteigendem Fuß dekoriert mit einem Kranz aus Rundfacetten im Schälfschliff, Abriss am Boden, Fußrand verwärmt. Dem schlanken Balusterschaft mit Wabenfacettierung zwischen zwei vergoldeten Trommelscheiben wurde eine langgezogene Luftblase eingestochen. Auch der Ansatz der becherförmigen Kuppa ist facettiert. Auf der Wandung ist eine fein geschnittene Szene auf einem baumbestandenen Landschaftssockel dargestellt: links hebt eine Frau ihren Rock und wendet sich dabei einem Mann zu ihrer Linken zu, dieser hält einen Fuchsschwanz bzw. eine Rute vor sich; darüber die Inschrift: Vor einem guten Freundt, der bin ich. Der beidseitig vergoldete Mündungsrand ist mit einem geblänkten Kugelfries verziert. Das Paar weist mit seinen offenherzigen Attributen recht derb auf das frivole Moment der Szene hin, der beigefügte Spruch bleibt hingegen mehrdeutig und spielt auf die sexuelle Dimension lediglich an. Erotische und allegorische Darstellungen auf Gläsern waren bei höfischen Kreisen im Zeitalter des Barock äußerst beliebt, äußerten sich in Brandenburg jedoch vorrangig und weniger explizit in mythologischen Bildthemen. Der formale und stilistische Vergleich datiert diesen Pokal in die Spätjahre der Potsdamer Glashütte oder die Anfangsjahre deren Nachfolgerin in Zechlin, wo dieselben Glasmacher und Veredler weiterbeschäftigt wurden, also um 1735. Unter anderen ist ein signiertes Glas von Elias Rosbach (tätig 1727–1765) stilistisch eng verwandt (vgl. Berckenhagen, Berliner und märkische Gläser, 1956, Abb. 22; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 32.1). [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal mit dem großen brandenburgisch-preußischen Wappen
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus farblosem Glas, Abriss am Boden, leicht ansteigender Fuß mit versenktem und mattiertem Spitzblattfries, angesetzt ein wabenfacettierter Balusterschaft zwischen zwei ebenfalls wabenfacettierten Nodi, der Baluster ist mit drei übereinanderliegenden Kränzen aus eingestochenen Luftblasen verziert. Die becherförmige Kuppa wiederholt am Ansatz den Spitzblattdekor vom Fuß und trägt auf der Wandung das fein geschnittene große brandenburgisch-preußische Wappen, beidseitig gehalten von Wilden Männern und unter einem mit Adlern und der Bügelkrone bekrönten Baldachin, hinter dem rechts die Sonne strahlt, unten: Gott mit uns. Die Gegenseite zeigt den preußischen Adler im Flug gegen die Sonne, darunter: Nec soli cedit (Nicht [einmal] der Sonne weicht er), die Devise des sogenannten Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. (reg. 1713–1740). Den verwärmten Mündungsrand ziert ein geblänkter Perlfries unter einer Linie. Bei dem Glas handelt es sich um ein Erzeugnis der Potsdamer Glasmanufaktur, in die Regierungszeit Friedrichs I. datierend, auf den es mit Wappen und Devise gleich zweifach Bezug nimmt. Vermutlich gehörte ein Deckel dazu (der zugeordnete Deckel mit der Inv.-Nr. O-1982,92 b ist zu groß). Ähnliche Deckelpokale mit dem gleichen Sujet sind überliefert (Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Kat. 180, 181, 191, 192, 194; Rückert, Die Glassammlung des Bayerischen Nationalmuseums, Bd. 2, 1982, Kat. 812, S. 275, Taf. 251; Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Inv. Nrn. XIII 7 und Dln E.St. 01/26; Stiftung Stadtmuseum Berlin Inv. Nr. KH 99/1270 A; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 19.2 und 20.1). Pokale von dieser Größe und mit königlichen Symbolen waren sicherlich für den Hof bestimmt. [Verena Wasmuth] MAKR
Vergoldeter Pokal mit Bildnis Königin Sophie Dorothea von Preußen
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus dickwandigem, farblosem Glas, Boden mit Abrissnarbe, die gesamte Oberfläche ist akzentuiert mit Gold staffiert, auf dem Fuß ein Kranz aus Oliven mit Ovalaugen, der massive Schaft ist mit Längsfacetten beschliffen, die sich bis an den Ansatz der bündig anschließenden Kuppa als vertiefte Zungen fortsetzen. Die Kuppawandung ziert in Tiefschnitt unter der Bügelkrone das von einem Adler gehaltene Rundmedaillon mit dem Profilbildnis Königin Sophie Dorotheas (1687–1757), flankiert von Adlern und Lorbeerzweigen, darunter fein goldgemaltes Rollwerk und sich überkreuzende Füllhörner. Der verwärmte Mündungsrand ist beidseitig vergoldet. Der Pokal datiert entweder in die letzten Betriebsjahre der Potsdamer oder in die ersten der Zechliner Glashütte und dürfte höchst wahrscheinlich als Paar mit einem Glas konzipiert gewesen sein, das ein Porträt Friedrich Wilhelms I. (1688–1740) trug (möglicherweise Inv. Nr. O-1982,78, a,b). Eine Reihe sehr ähnlicher bis nahezu identischer Pokalgläser mit Potsdamer Provenienz sind überliefert, die einen zugehörigen Deckel besitzen (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 35.5; Baumgärtner, Porträtgläser, 1981, Abb. 9, S. 21; für das Bildnis vgl. Abb. 5, S. 18; Klesse/Mayr, Veredelte Gläser aus Renaissance und Barock, 1987, Nr. 134; Strasser/Spiegl, Dekoriertes Glas, 1989, Kat. 145, S. 280; Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. Nr. Kunstkammer, 10382; Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv. Nr. II 74/185 A, ebenfalls ohne Deckel). Ursprünglich war wohl ein zugehöriger Deckel vorhanden, der zugeordnete Deckel passt nicht, er gehört zu einem kleineren Pokal. [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal mit Satyrfamilie
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus sehr reinem, farblosem Glas, Abriss am Boden, ansteigender Fuß dekoriert mit einem versenkten und mattierten Spitzblattfries. Angesetzt ein Schaft aus Baluster und Nodus, beide mit mattiertem Spitzblattfries zwischen Trommelscheiben und beide mit eingestochener Luftblase. Am Ansatz der becherförmigen Kuppa wiederholt sich der Dekor vom Fuß, auf der Wandung befindet sich umlaufend in feinem Mattschnitt eine szenische Darstellung: In einer baumbestandenen Landschaft beugt sich ein bärtiger Satyr über eine lagernde Nymphe, die mit der Linken in einen Dornbusch greift, davor streiten ihre beiden Kinder um einen Korb voller Blumen. Den verwärmten Mündungsrand schmückt ein Fries aus geblänkten Kugeln. Der Pokal fügt sich formal und stilistisch nahtlos in das Produktionssortiment der Potsdamer Glashütte in den Jahren 1720 bis 1736 (Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten 2017, Kat. 81 und 93, S. 154–156; Rückert, Die Glassammlung, Bd. 2, 1982, Kat. 819, S. 279, Taf. 257). Um wen es sich bei den Abgebildeten handelt, erschließt sich dem Betrachter erst auf den zweiten Blick: Die kleine Gruppe steht für ein wildes Leben in der Natur, verweist mit ihrer Nacktheit und der Suche nach Schmerz sowie Konflikt zugleich auch auf unkontrollierte Sinnlichkeit und animalisches Treiben. [Verena Wasmuth] MAKR