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Objektbeschreibung

Der dünne Kanevas ist durch rote Fäden in neun Quadrate unterteilt, in acht befindet sich ein blau-rotes Stopfmuster. Eines davon ist noch nicht beendet: Nadel und Faden stecken noch im Stopfen, die Rückseite ist mit einer Stopfpappe in blauer Farbe unterlegt.
Laut den Angaben des Sammlers bestopfte das Tuch: "Hedwig Schlieper (?) etwa 1888 bei einer Erzieherin in Westpreußen, Josephinenhof bei Deutsch-Eylau."

Das Museum Europäischer Kulturen besitzt rund 125 Stopfmustertücher. Solche unfertigen Tücher mit einer Pappe als Stopfunterlage sind laut Anja Leshoff, Forscherin und Stopfexpertin, selten überliefert. Gesammelt wurde hier nicht nur das Tuch als Endergebnis, sondern auch der Prozess des Stopfens. Die Verwendung von rotem und blauem Stopfgarn erleichterte im Unterricht außerdem die Kontrolle, ob Bindungen korrekt ausgeführt wurden.
 
Das Tuch gehört zum sogenannten Altbestand und wurde 1934 als Teil einer großen Mustertuchsammlung von Friedrich Großmann angekauft. 
Großmann, Direktor des Oberversicherungsamtes in Potsdam (gest. 12.3.1939), hatte sich umfangreich mit der historischen Entwicklung von Mustertüchern in Deutschland und Europa beschäftigt. Er war eine Zeit lang als Referent für das Volksschulwesen der Großstädte um Berlin tätig und hatte hier auch Einblick in die Formen des Handarbeitsunterrichts. In dieser Funktion begann er vermutlich, Tücher zu sammeln; nach eigenen Aussagen interessierten ihn dabei nicht nur die schönen, kunstvoll gefertigten Stücke, sondern auch jene einfachen Übungstücher, die in Volksschulen zwischen 1870 und 1920 entstanden.

Seine Erkenntnisse zur Rolle von Mustertüchern im Handarbeitsunterricht wurden 1942 posthum in den Zeitschriften „Volkswerk“ und „Die Neue Deutsche Schule“ veröffentlicht. Seine über 2850 Objekte fassende Mustersammlung ging im II. Weltkrieg größtenteils verloren. Heute sind noch rund 730 Objekte dieser Sammlung im MEK vorhanden, darunter 27 Stopfmustertücher.