Die Einkleidung des heiligen Petrus Martyr beim Eintritt in den Dominikanerorden
Objektbeschreibung
Die Tafeln gehörten zu einer Bilderfolge mit Szenen aus dem Leben
des heiligen Petrus Martyr. Sie stammen aus San Zanipolo, einer
Klosterkirche des Dominikanerordens in Venedig. Dort bekrönten sie einen
Altar, der dem Heiligen gewidmet war. Petrus Martyr war ein
Dominikanermönch aus dem 13. Jahrhundert.
„Die
Einkleidung“ zeigt, wie der jugendliche Petrus in den Mönchsorden der
Dominikaner eintritt und sein neues Gewand erhält. Der historische
Petrus war damals wahrscheinlich 15 Jahre alt. „Das Feuerwunder“
schildert ein wundersames Ereignis aus der Heiligenlegende, das sich
nach dem gewaltsamen Tod Petri abgespielt haben soll. Petrus war als
Inquisitor der Kirche gegen die Katharer in Oberitalien eingesetzt
gewesen. Ein Jüngling namens Guifredo, so erzählt es die Legenda Aurea,
wurde nun von einem Katharer herausgefordert. Er stammte aus der Stadt
Como, in der Petrus Klosterprior gewesen war, und besaß einen Fetzen von
dessen Gewand. Der Katharer sagte spöttisch, er solle doch den Stoff
ins Feuer werfen, wenn er ihn für heilig halte. Wenn dieser unversehrt
bliebe, wolle er sich seinem Glauben anschließen. Anstatt jedoch zu
verbrennen, brachte das Gewandstück die Flammen zum Erlöschen, und der
Katharer wurde bekehrt. Die Ähnlichkeit des auf dem Gemälde
dargestellten Handelnden mit den Bildern des Petrus Martyr auf den
übrigen erhaltenen Tafeln des Retabels (u.a. im Art Institute, Chicago
und im Metropolitan Museum of Art, New York) sowie sein Heiligenschein
legen nahe, in ihm nicht Guifredo, sondern den Heiligen selbst zu sehen.
Anstelle
des Katharers erscheinen im „Feuerwunder“ Muslime. Dies könnte einen
Grund darin haben, dass es die Glaubensgemeinschaft der Katharer zur
Entstehungszeit des Gemäldes nicht mehr gab. Zugleich nähert sich das
Bild durch den Austausch der Häretiker thematisch einer Episode aus der
Legende des heiligen Franziskus an. Dieser habe, so heißt es, auf einer
Missionsreise in den Vorderen Orient den Sultan von Ägypten zum
Christentum bekehrt, indem er unversehrt durch ein Feuer ging. Das
Gemälde ist ein frühes Beispiel für die Darstellung typischer von
Muslimen getragener Kleidung in Venedig. Rund 50 Jahre später sollte es
unter Künstlern in dieser Stadt, die über Jahrhunderte Europa mit dem
Orient verband, Mode werden, Kleidung von Osmanen und Mamluken
darzustellen.