Deckelpokal mit dem großen brandenburgischen Wappen und Radmonogramm Friedrichs III.
Objektbeschreibung
Großer Pokal mit zugehörigem Deckel aus dickwandigem, farblosem Glas,
Boden ohne Abriss, kräftiger, leicht ansteigender Fuß mit beschliffenem
Rand und einem Kranz aus schälgeschliffenen Rundbögen, der massive
Doppelbalusterschaft zwischen Trommelscheiben trägt denselben Dekor. Die
becherförmige Kuppa ist auf der Schauseite mit einem Medaillon mit dem
großen brandenburgischen Wappen unter der Bügelkrone dekoriert, gerahmt
von Hosenbandorden – mit fehlerhaft wiedergegebener Devise "HONI SOIT
QVI MALV Y PENSE" – Orangenranken, gekreuzten Lorbeerzweigen und
beidseitig einem Adler mit ausgebreiteten Schwingen. Die Gegenseite
zeigt ebenfalls ein Medaillon mit dem gleichen Schmuck, darin das
bekrönte Radmonogramm "FIII" für Kurfürst Friedrich III., den späteren
König Friedrich I. in Preußen, im Zentrum das Kurzepter. Sowohl der
Ansatz der Kuppa, ihr Mündungsrand, der Deckelrand als auch der
Deckelknauf wiederholen die geschälten Rundbögen von Fuß und Knauf. Die
Schulter des Deckels ist mit einem aufwendigen Rankendekor aus
gekreuzten Lorbeer- und Orangenzweigen sowie Arabesken verziert. Der
Deckel hat innen eine Abrissnarbe und ist – anders als der Pokal –
krank.
Bereits Adrian Dreier als auch Susanne Netzer wiesen auf die
ungewöhnliche Darstellung der Bügelkronen über den Medaillons hin, die
Kurfürstenhut und Königskrone vereint. Von gleicher Hand geschnitten
dürften zwei glockenförmige Pokale im Bestand der Stiftung Preußische
Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg sowie im schwedischen Skokloster
sein, zudem ein Becher, 1914 Sammlung Mühsam in Berlin, die alle
ebenfalls das Radmonogramm Friedrichs III. (1657–1713), die falsche
Ordensdevise und dieselbe Krone zeigen (Evers, Luxusglas, 2010, Abb. 92,
S. 108; Netzer, Was großes Aufsehn macht, 2001, Abb. 14, S. 73;
Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufakturen, 2001, Kat. 156, S.
247; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 11.1). Die Präsenz der
Orangenzweige spielt auf Friedrichs Ansprüche auf die "oranische
Erbschaft" an. Das Glas befand sich zuvor in der Sammlung Krug und wurde
im Kunsthandel erworben. [Verena Wasmuth]
MAKR