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Objekttyp: Deckelpokal
Straußeneipokal
Kunstgewerbemuseum
Ein besonders charakteristisches Beispiel für die Nürnberger Goldschmiedekunst des 16. Jahrhunderts ist der Straußeneipokal des Elias Lencker: Fuß und Schaft sind im Sinne der Hochrenaissance reich mit getriebenen Ornamenten, mit farbig emaillierten geometrischen Mustern und kleinen, aus der Form gegossenen Hermen versehen. Das als Kuppa auf dem Schaft aufliegende Straußenei wird durch vier Bänder in Hermengestalt getragen. Der breite Lippenrand ist mit einem geätzten Ornamentband geschmückt, dessen Wirkung auf dem Kontrast zwischen dem Wechsel von hochglanzpolierten und mattgeätzten Ranken beruht. Die Spangen auf der Kuppa finden sich auf dem Deckel wieder, bekrönt wird dieser von einer mit Speer und Schild bewaffneten Kriegerfigur im Stil der Antike. Ein ähnlicher Pokal Lenckers befindet sich im Historischen Museum Basel (Inv. 1882.90).
Kokosnusspokal mit Lukretia
Kunstgewerbemuseum
Die polierte Kokosnuss ist über dem in Gestalt eines von Eidechsen und Fröschen bevölkerten knorrigen Astwerks gebildeten Schaft durch drei schmale Spangen als Kuppa des Pokals gefasst. Der niedrige Lippenrand zeigt ein Maureskenornament mit Medaillons, den Deckel bekrönt die Figur der Lukretia. Ungedeutetes Meisterzeichen S H mit Hausmarke. LL
Deckelpokal mit Schliffdekor
Kunstgewerbemuseum
"Deckelpokal, zwölffach facettiert, mit langgezogenem Rundbogenornament. Wulste und Knäufe an Schaft und Deckel mit Zellenfacetten bedeckt, die Hohlkehlen glattrund. Farbe tiefrot, fast schwarz; der Fuß von konzentrischen, leberfarbenen Streifen durchzogen." aus Robert Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 18, Nr. 6 Der Deckelpokal ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Kleiner Buckelpokal mit Eichel aus dem Lüneburger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Astring am Schaft und Blattwerkkranz des Deckels gegossen. Fußrand und -zarge gesondert gearbeitet. Fußunterseite unvergoldet. – Schaft mehrfach eingedrückt, Blattkranz des Deckels beschädigt. Vereinfachte Wiederholung von Kat. Nrn. 12. Sechspassiger Fuß mit zwei Reihen ineinander greifender, gratiger Buckel. Schaft wie bei Kat. Nr. 13, Manschette aus Akanthusblattwerk mit Blüten. Kuppa in vier Reihen gebuckelt wie bei Kat. Nrn. 12 und 13, doch mit Linksdrehung. Auf dem (verdeckten) Rand graviertes Groteskenornament mit zwei Putten, die Wappen halten, darin ein Prankenkreuz und gekreuzt ein Grabstichel und ein Federwisch. Auf dem Kuppagrund graviertes Christusmonogramm IHS. Buckel des Deckels in drei Reihen. Auf dem Rand Inschrift: CORT HAGEN DE DEIT NA DER GEBORT CHRISTE XV° VN(D) XXII. Als Bekrönung eine Eichel mit Akanthus. Im Deckel und unter dem Fuß Medaillons mit Akeleiblume in blauem und grünem Email.
Deckelbecher mit Brustbild Friedrichs des Großen als Kronprinz
Kunstgewerbemuseum
Inventareintrag: "Gläserner Henkelbecher mit Deckel, mit dem Brustbild Friedrichs des Großen als Kronprinz in gekrönter, von Fahnen und Waffen umgebener Kartusche. Auf dem Deckel mattierte Spitzblätter. Blanke Kugelfriese." Der Deckelbecher ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Deckelpokal mit Portrait Friedrich I. und einer Ansicht des Berliner Schlosses
Kunstgewerbemuseum
Inventareintrag: "Deckelpokal, Potsdamer Glas mit Balluster Schaft und Knauf. Geschnittener Dekor von Heinrich Friedrich Halter in Magdeburg. Auf der Kuppa Ansicht des Berliner Schlosses nach dem Stich von P. Scherck und Portrait Friedrich I. in ovaler Barockkartusche. Auf dem Deckel zweimal der preußische Adler und die preußische Königskrone; auf dem Fuß Barockranken." Der Deckelpokal ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Kleiner Deckelpokal auf Königin Elisabeth Christine
Kunstgewerbemuseum
Pokal mit zugehörigem Deckel aus farblosem Glas, Abriss am Boden und im Deckel, der Scheibenfuß steigt leicht an und trägt einen Schmuck aus versenkten Spitzbögen, die an ihren Enden eine kleine Kugelung haben. Der einfache Balusterschaft mit einer langgezogenen, eingestochenen Luftblase wiederholt diesen Dekor, ebenso der Ansatz der becherförmigen Kuppa, zudem ist er hier vergoldet. Die Kuppawandung trägt ein geschnittenes, teilvergoldetes sowie goldstaffiertes bekröntes Medaillon umringt von Kriegstrophäen mit der Inschrift: Es lebe die Königin. Den vergoldeten Mündungs- sowie Deckelrand ziert ein geblänkter Kugelfries. Der gebauchte Deckel weist denselben vergoldeten Spitzbogendekor auf wie der Kuppaansatz, ebenso sein massiver Knauf mit eingestochener Luftblase. Der stilistische und formale Vergleich verortet das Glas nach Zechlinerhütte (vgl. einen Deckelpokal mit Wappen der Familie von Wilmersdorff im Glasmuseum Hentrich, Düsseldorf, Inv.-Nr. P 1989-21, publiziert im Themenportal "Brandenburgisches Glas"; Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 108, S. 170). Es dürfte anlässlich der Krönung Friedrichs II. und seiner Gemahlin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern 1740 entstanden sein. Gläser auf Elisabeth Christine, die in doppelter Hofhaltung entfernt von ihrem Gemahl lebte und für ihn zeremoniell-repräsentative, immer wiederkehrende Routineverpflichtungen übernahm, sind sehr selten. Seltsam ist die Präsenz der Kriegsarmaturen, sind diese auf brandenburgischen Gläsern in der Regel nur den Kartuschen männlicher Adressaten beigegeben, weiblichen typischerweise Füllhörner. Sehr wahrscheinlich gehörte dieser Pokal einem Mitglied des preußischen Militärs. [Verena Wasmuth] MAKR
Deckelpokal mit Bildnis Friedrich Wilhelm I.
Kunstgewerbemuseum
Spitzkelch mit zugehörigem Deckel aus farblosem Glas, der Fuß mit Facettenkranz mit Oliven sowie Ovalaugen und die bündig aus dem massiven Schaft aufsteigende Kuppa mit gestuften, im mittleren Schaftteil in hochgeschliffene Zungen übergehende Rundbogenfacetten miteinander verbunden. Auf der Kuppawandung in Tiefschnitt unter Königskrone das von einem Adler gehaltene Rundmedaillon mit dem Profilbildnis König Friedrich Wilhelms I. von Preußen (1688–1740). Darunter ein weiterer Adler, beidseitig eine reiche Staffage von Kriegstrophäen. Die Gegenseite ist mit einem goldgemalten Landschaftsdekor verziert, mit einer Windmühle auf einem Berg, einer darunterliegenden Siedlung an einem See, rechts im Vordergrund ein Baum. Mündungs- und Deckelrand beidseitig reich vergoldet. Auf der Schulter sind Kriegsarmaturen in Goldmalerei dargestellt, die Gegenseite schmücken drei ebenfalls vergoldete Kugelungen, die Kanonenkugeln darstellen sollen. Der Ansatz des hohen Knaufs ist eingezogen, darüber ein Massivbaluster mit fünf polierten Längsfacetten und Oliven. Der gesamte geschnittene Dekor des Deckelpokals ist akzentuiert mit Gold staffiert. Mehrere andere repräsentative Deckelpokale ähnlicher Machart mit nahezu identischem Dekor sind überliefert. Der formale Vergleich spricht für eine Verortung nach Potsdam um 1735 (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 35.5; Bernt, Altes Glas, 1950, Kat. 74 mit identischem Knauf; Baumgärtner, Gläser, 1977, Kat. 229, S. 111 und Kat. 230 für einen Pokal mit dem Wappen von Hessen-Kassel und identischer Knaufgestaltung; Baumgärtner, Porträtgläser, 1981, Abb. 9, S. 16; Klesse/Mayr, Veredelte Gläser, 1987, Nr. 134; Strasser/Spiegl, Dekoriertes Glas, 1989, Kat. 146, S. 280; Sotheby`s, London, 23.11.1999, The Dettmers Collection, Los 77. S. 49; Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Sechs Sammler stellen aus, 1961, Kat. 127, S. 144; Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. Nr. Kunstkammer, 10383). Die besonders reiche und gute Vergoldung ist charakteristisches Merkmal dieser Gruppe. [Verena Wasmuth] MAKR
Jagdpokal aus dem Lüneburger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Schaft, Deckelbekrönung und Kupparing mit Zungenmuster gegossen. Grund vollständig, Dekor sparsam punziert. Marken am Fuß. Hervorragende Arbeit. – Lanze des Kriegers verloren. Schlanker, horizontal gegliederter Pokal mit flach reliefiertem Schweifwerkdekor. Auf der Fußwölbung Phantasievögel, Vasen und Früchte, auf dem Wulst Puttenköpfe und Masken. Schafttrommel mit umlaufender Hirschjagd, am Vasenknauf vollplastisch herauswachsende Harpyen und drachenköpfige Groteskspangen. Auf dem Kuppawulst drei Jagddarstellungen, auf der Wandung geflügelte Putten und Fruchtbuketts und auf der Mündung Stifterwappen, zwei geflügelte Puttenköpfe unter Baldachinen und drei Landschaften mit lagernden weiblichen Figuren. Sie sind durch Blütenzweig, Korngarbe und Feuerbecken als Frühling, Sommer und Winter gekennzeichnet. Auf der Deckelwölbung Puttenköpfe, auf der Trommel umlaufende Darstellung von Venus und Adonis in Landschaft. Als Bekrönung ein antikisch gerüstetes Kriegerfigürchen, das die Wappen der Borcholt und Stöterogge hält. Keineswegs eine Versammlung beliebiger Motive, stellt der Dekor vielmehr einen komplexen Bedeutungszusammenhang dar. Die Jagddarstellungen wie die verstreuten Früchtebuketts sind danach als Zeichen des "Herbstes" zu sehen, auf den offenbar auch die anderen Jahreszeitenszenen auf der Kuppa hindeuten, d. h. es handelt sich letztlich um ein Sinnbild der Fruchtbarkeit, unter deren Motto der ganze Pokal steht und dem sich ebenso die Liebesmotivik und die versteckten Symbole der vier Elemente (so die Vögel als "Luft") zuordnen lassen. Entsprechende Dekore sind bei repräsentativen Goldschmiedearbeiten der Renaissance- und Barockzeit häufig – zu verstehen als Hinweise auf Glück und Reichtum wie auf eine erfolgreiche Staatsführung und ein prosperierendes Gemeinwesen.
Deckelpokal mit Dekor
Kunstgewerbemuseum
"Deckelpokal, zehnfach facettiert, mit langgezogenem Rundbogenornament und zwei plastischen Akanthusfriesen mit umgeschlagenen Spitzen. Vom Deckelknauf, der durch einen Metalldraht auf dem Deckel befestigt ist, fehlt unten ein Stück. Farbe tiefrot, fast schwarz." aus Robert Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 18, Nr. 7 Der Deckelpokal ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Vivatglas auf Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg
Kunstgewerbemuseum
Kleiner Pokal mit zugehörigem Deckel aus farblosem Glas, kein Abriss am Boden, der Rand des leicht ansteigenden Fuß mit einem Dekor aus versenkten Spitzbögen ist zwölffach facettiert. Der Massivbalusterschaft über einem glatten Nodus ist ebenfalls mit versenkten Spitzbögen verziert, zudem der Ansatz der hohen, becherförmigen Kuppa. Deren Wandung ist zwölffach facettiert und trägt auf der Schauseite in feinem Tiefschnitt den kurbrandenburgischen Adler mit ausgebreiteten Schwingen, Zepter und Schwert in den Klauen, bekrönte von dem Kurhut, umschrieben mit: Vivat Elector: Brandenbg. Die Gegenseite zeigt das Spiegelmonogramm "CF3" für Kurfürst Friedrich III. (1657–1714) zwischen zwei gekreuzten Palmzweigen und gleichfalls bekrönt von dem Kurhut. An Mündungs- und Deckelrand wurden korrespondierend zu den Wandungsfacetten breite Bögen im Schälschliff aufgebracht, die abgerundete Deckelschulter wiederholt den versenkten Spitzbogenkranz, ebenso der massive, getreppte und polierte Knauf über einer Trommelscheibe. Das Glas ist fortgeschritten krank, insbesondere im Bereich des Fußes sowie des Deckels. Dieser Potsdamer Deckelpokal aus kurfürstlicher Zeit vor 1701 wurde mehrfach publiziert. Dabei erörterte Fragen, etwa zur nachträglichen Beschleifung des Fußrandes zwecks Kaschierung älterer Beschädigungen oder zur ausgemachten Seltenheit der Wandungsfacettierung bei brandenburgischen Produkten, sind obsolet (Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, S. 250; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 68). Überlieferte Vergleichsstücke bestätigen den Originalzustand seiner Form (Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg Inv. Nr. XIII 854 und XIII 890; Glasmuseum Hentrich, Düsseldorf Inv. Nr. P 1940-131 a,b; Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv.-Nr. SM 2017-00863; alle publiziert im Themenportal "Brandenburgisches Glas" auf museum-digital.de, sowie Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 94, S. 157 und Rückert, Die Glassammlung des Bayerischen Nationalmuseums, Bd. 2, 1982, Kat. 811, S. 274, Taf. 250). Diese Gruppe datiert etwas später, in die Jahre 1701 bis 1713. [Verena Wasmuth] MAKR
Deckelpokal mit dem Wappen des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I.
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus Kupferrubinglas mit dazugehörigem Deckel. Auf dem ansteigenden Tellerfuß mit verwärmtem Saum ein vertiefter Rundbogenfries mit Goldstaffage, ebenso am Ansatz der becherförmigen Kuppa sowie auf der flachen Schulter des Deckels. Angesetzter massiver Schaft mit zwei zellenfacettierten Nodi unter und einer zellenfacettierten Ringscheibe über einem mit Akanthusfries geschnittenen Baluster. Auf der Kuppawandung in vergoldetem Tiefschnitt das brandenburgisch-preußische Wappen, wie es seit 1709 geführt wurde, in 36 Felder und drei Schilde geteilt sowie eingerahmt von einem Wappenmantel. Zwei „wilde Männer“ fungieren halbnackt und bärtig rechts und links als Schildhalter und Fahnenträger. Auf der Rückseite ein gegen die Sonne fliegender Adler mit der Devise „non soli cedit“ (Nicht [einmal] der Sonne weicht er), das Emblem Friedrich Wilhelms I. in goldkonturiertem Schnitt. Der Deckel mit hochaufgebautem Knauf aus facettierten Nodi und Baluster mit Vergoldung. Dieser Potsdamer Deckelpokal datiert in die Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. (1688–1740), vermutlich in die Zeit um 1730 (vgl. Deckelflöten im Bestand der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Inv.-Nrn. XIII 859–XIII 861; Pokal im Bestand der Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv.-Nr. II 94/113 A). Als Glasmaler in der Hütte am Hakendamm sind Johann Caspar Greinert, Johann Andreas Lauch, Martin Unger und ein gewisser "Kelling" deokumentiert, wobei Greinert als einziger dezidiert als "Goldmaler" bezeichnet wird (s. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 147f.). Die Glasmasse erscheint nahezu schwarz, charakteristisches Merkmals des Kupferrubinglases. Für diese Problematik fand der Alechmist und zwischen 1679 und 1692 Leiter der Potsdamer Glashütte Johann Kunckel eine Lösung: „Man muß auch in acht nehmen daß des Pulvers nicht zu viel genommen wird denn sonst würde das Glas schwartz werden; da es doch nicht dick sondern durchsichtig oder dunckelgelb an der Farb sein solle. Wenn nun diese Farb erscheinet so ist es recht und nimbt man alsdenn ungefehr 1½. Loth des rothen Kupffers welches nach Inhalt des 24. Capitels gecalciniret und wohl zerrieben sey werden; solches setzet man zu dem obigen Glas und vermischets zum öfftern: wenn nun solches zum 3.ten oder 4.ten mahl geschehen ist/ so wird eine Blutrothe-Farb erscheinen. … dergleichen ich öffters gemachet habe" (Kunckel, Ars vitraria, 1679, 58. Kap., S. 95 und 17. Kap., S. 28; Spiegl, Johann Kunckel, 1988, S. 2819). Der Veredler des Glases verstand die Materialbeschaffenheit als Vorteil: Durch das Zusammenspiel von glänzender Goldauflage und dem sehr dunklen Kupferrubinglas treten die Machtinsignien effektvoll hervor. [Verena Wasmuth] MAKR
Deckelpokal mit Blumen und Insekten
Kunstgewerbemuseum
Trichterförmiger Pokal mit zugehörigem Deckel aus dickwandigem, sehr reinem, farblosem Glas, Abriss auf dem Fuß ein Kranz aus Rundbogenfacetten, die sich auf dem massiven Schaft bis an den Ansatz der bündig anschließenden Kuppa als vertiefte Zungen fortsetzen. Die Kuppawandung in feinem Tiefschnitt mit großformatigen, naturalistischen Blumen dekoriert, darunter Tulpe, Nelke und Sonnenblume, zudem Fluginsekten wie Mücke und Fliege sowie eine Raupe. Den plangeschliffenen Mündungsrand ziert ein polierter Perlfries, ebenso korrespondierend den Deckelrand. Auf der ansteigenden Schulter des Deckels sind dieselben Blumen abgebildet, der Übergang zum gekehlten, mit polierten Kugelungen und Facetten versehenen Massivbalusterknauf ist mit einem geschliffenen Rundbogenfacettenkranz geschmückt. Der stilistische Vergleich mit zwei vergoldeten Flötengläsern bestätigt eine Zuschreibung dieses qualitätsvollen Glases an die Potsdamer Hütte in die Jahre 1730 bis 1735 (Schade, Das deutsche Glas, 1958, Kat. 70; Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Inv. Nr. XIII 862). Die Darstellung von Blumen hat symbolischen Charakter: Die Tulpe sowie die Nelke stehen für Liebe, die Sonnenblume für Lebensfreude. Die Insekten hingegen verweisen auf deren Vergänglichkeit. [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal mit dem Stammbaum Christi aus dem Lüneburger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Stamm und Christuskind gegossen. Maria aus zwei Teilen gearbeitet. Unterseiten von Deckel und Fuß, Innenseite des Kuppaeinsatzes, Teile des Stammes und der Blattkränze, Inkarnat und Blumenstrauß Marias unvergoldet. Reliefierte Teile über gepunztem Grund. Marken unter dem Fuß. – Krone der Maria verloren. Dreipassiger, gebuckelter und reich reliefierter Pokal mit Baumschaft. Profilierter Fußrand, Blattfries und z. T. geriefte Zarge zwischen Profilen. Auf der oberen Fußwölbung, umwachsen von Wein, der ruhende Stammvater Jesse, aus dessen Schoß sich ein knorriger Baum mit abgeschnittenen Ästen und aufgerissener Rinde erhebt. Den Stamm umwindend ein beblätterter, in einem Kranz von Reben endender Ast. Auf der unten palmettenartig gebuckelten und wie am Fuß von einem Laubfries umzogenen Kuppa drei Äste des Weinstocks, die sich verzweigen und neun als Buckel herausgetriebene Medaillons bilden. Darin sechs Halbfiguren von Königen – kenntlich ist allein David durch seine Harfe –, die, einander zugewandt, seitlich der Paßzwickel angeordnet sind, dazwischen Medaillons mit spiraliger Blattrosette. Fries durch kräftige Profile abgesetzt. Leicht sich verbreiternder Mündungsrand. Auf dem Deckel entsprechend der Kuppawandung sechs Medaillons mit weiteren Königen. Deckelgriff konisch hochgezogen, durchbrochener, aus dem sich fortsetzenden Weingeäst gebildeter Knauf, darüber Blattkelch mit der Figur Marias, die in der Rechten einen Blumenstrauß, in der Linken das Kind mit Kreuz und Weltkugel hält. Kuppaeinsatz fischblasig gebuckelt, an einem Grat sechs Pegelmarken für die Trinker. Auf der am Fuß angebrachten Kartusche niellierte Stifterinschrift: D(OMINVS) NICOLA(VS) STOTEROGGE CONSVL CIVITAT(IS) LVNEBVRG(ENSIS) INCLITO SENATVI LEGAVIT 1560 (Herr Nikolaus Stöterogge, Bürgermeister der Stadt Lüneburg, hat dies dem erlauchten Rat vermacht. 1560). Im Deckelinneren farbig emaillierte Scheibe mit den Wappen des Bürgermeisters Nikolaus I Stöterogge und seiner beiden Ehefrauen Ilsabe Elver und Barbara Glöde sowie der Jahreszahl 1562. Am Lippenrand eine gravierte zweizeilige Inschrift: IVCHEIE IN GOD DINEM HEREN DAT HEFT Dl MIT BILICHHEIT NEMANDT TO VORKEREN MIT DANCKSEDDINGE DRINCK VNDE IT GODT SIN WORT VNDE DER ARMEN NVM(M)ER VORGIT WES FROICH MIT DINEN GESTEN ITT VNDE DRINCK DES BESTEN SVLKES KAN GOT WOL LIDEN OVER DEN AVERVLOT SCHOLTV MIDEN VND WESDI GODT MER HEFT VORBADE(N) DAS MEDE SCHOLTV DIN HARTE NICHT BELADEN Eine weitere Inschrift am flachen, profilierten Deckelrand erläutert den Pokal näher: GENEALOGIA DOMINI ET SERVATORIS NOSTRI IESV CHRISTI EX SEMINE DAVID. MATTHEI I. LVCE 3. CAPITIL. EXARATA HIC VTCVNQUE OB OCVLOS POSITA EST AN(N)O A NATIVI TATE EIVSDE(M) 1562 (Das Geschlecht unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi aus dem Stamme Davids, bei Matthäus im 1. und bei Lukas im 3. Kapitel beschrieben, ist hier so gut es geht bildlich vor Augen gestellt im Jahre 1562 nach seiner Geburt). Der tiefere Sinn des Hinweises auf Mt 1,1ff. und Lk 3,23ff., wo der Stammbaum Christi bis auf Abraham bzw. Adam zurückgeführt wird, enthüllt sich erst durch die Darstellung des in den Inventaren auch immer so genannten Jesse , mit dem auf die sich im Neuen Testament erfüllenden Weissagungen des Propheten Jesaja Bezug genommen wird: "Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Frucht des HERRN" (Jes 11,1f.). "Und es wird geschehen zu der Zeit, daß das Reis aus der Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker" (Jes 11,10; Röm 15,12). "Darum wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel" (Jes 7,14).
Akeleipokal aus dem Lüneburger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Schaft- und Deckelknauf gegossen. Unterseite des Fußes und Blattwerk unvergoldet. Marken an der Kuppamündung und am Fußrand. Gestreckter, gotisierender Buckelpokal. Glockenförmig hochgezogener Fuß mit getrepptem Rand, acht spitz zulaufenden Buckeln und gepunztem Pfauenfederdekor. Vasenförmiger, sechskantiger und gebuckelter Knauf, drei Groteskspangen und weißsilberne geschnittene und gerollte Blattkränze. Kelchkuppa mit zwei Reihen spitz zulaufender, miteinander verzahnter Buckel (je acht), in den Zwickeln Pfauenfeder- und – oben – getriebener Fruchtdekor. Leicht nach außen gebogener Mündungsrand. Deckel entsprechend dem Fuß gestaltet, breiter, leicht gewölbter Rand, Dekor leicht abgewandelt. Als Bekrönung ein Väschen mit Blattkranz und kalt (grün, rot und blau) bemaltem Blumenstrauß, darunter Federnelken und Lilien. Laut Aussage der Kämmereirechnungen wurde 1614 für Geschenkzwecke Silbergerät auf Vorrat gekauft: "Und weil kein vorguldete Becher vnder 50 loden vnd vnverguldete vnder 55 loden zuvorehrende vorhanden gewesen, vnd sich zu zeiten begibt, das men solche bedürffich, vnd mussen den dazu in der Ile gemacht werden, welche den so rein vnd sauber, alse se wol sein solten in der Ile nich konnen ausgearbeitet werden, alse sein dise folgende darzu in Vorrade gemacht worden wo folget [...]". Aufgezählt werden sechs Becher, davon stimmt einer nach dem Gewicht mit unserem Pokal überein: "Noch ein ganz vorguldet wicht 35 lot." Der Preis betrug 80m 15s. Da das Stück weder Inschrift noch Wappen trägt, ist es sehr wahrscheinlich, daß es für die Schenkbank erworben wurde. Auch hat der Rat damals nachweislich Silbergerät aus Hamburg angekauft.
Deckelpokal mit dem großen brandenburgischen Wappen und Radmonogramm Friedrichs III.
Kunstgewerbemuseum
Großer Pokal mit zugehörigem Deckel aus dickwandigem, farblosem Glas, Boden ohne Abriss, kräftiger, leicht ansteigender Fuß mit beschliffenem Rand und einem Kranz aus schälgeschliffenen Rundbögen, der massive Doppelbalusterschaft zwischen Trommelscheiben trägt denselben Dekor. Die becherförmige Kuppa ist auf der Schauseite mit einem Medaillon mit dem großen brandenburgischen Wappen unter der Bügelkrone dekoriert, gerahmt von Hosenbandorden – mit fehlerhaft wiedergegebener Devise "HONI SOIT QVI MALV Y PENSE" – Orangenranken, gekreuzten Lorbeerzweigen und beidseitig einem Adler mit ausgebreiteten Schwingen. Die Gegenseite zeigt ebenfalls ein Medaillon mit dem gleichen Schmuck, darin das bekrönte Radmonogramm "FIII" für Kurfürst Friedrich III., den späteren König Friedrich I. in Preußen, im Zentrum das Kurzepter. Sowohl der Ansatz der Kuppa, ihr Mündungsrand, der Deckelrand als auch der Deckelknauf wiederholen die geschälten Rundbögen von Fuß und Knauf. Die Schulter des Deckels ist mit einem aufwendigen Rankendekor aus gekreuzten Lorbeer- und Orangenzweigen sowie Arabesken verziert. Der Deckel hat innen eine Abrissnarbe und ist – anders als der Pokal – krank. Bereits Adrian Dreier als auch Susanne Netzer wiesen auf die ungewöhnliche Darstellung der Bügelkronen über den Medaillons hin, die Kurfürstenhut und Königskrone vereint. Von gleicher Hand geschnitten dürften zwei glockenförmige Pokale im Bestand der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg sowie im schwedischen Skokloster sein, zudem ein Becher, 1914 Sammlung Mühsam in Berlin, die alle ebenfalls das Radmonogramm Friedrichs III. (1657–1713), die falsche Ordensdevise und dieselbe Krone zeigen (Evers, Luxusglas, 2010, Abb. 92, S. 108; Netzer, Was großes Aufsehn macht, 2001, Abb. 14, S. 73; Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufakturen, 2001, Kat. 156, S. 247; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 11.1). Die Präsenz der Orangenzweige spielt auf Friedrichs Ansprüche auf die "oranische Erbschaft" an. Das Glas befand sich zuvor in der Sammlung Krug und wurde im Kunsthandel erworben. [Verena Wasmuth] MAKR
Deckelpokal mit Monogramm FR und Posthorn
Kunstgewerbemuseum
Pokal mit zugehörigem Deckel aus farblosem Glas, Abriss am Boden, breiter Tellerfuß, angesetzt ein Schaft aus Baluster und Nodus zwischen Ringscheiben mit je einer eingestochenen Luftblase. Die hohe, becherförmige Kuppa zeigt auf der Schauseite das geschnittene Ligaturmonogramm "FR" (Fridericus Rex) unter der Bügelkrone und zwischen gekreuzten Palmzweigen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist ein Posthorn über der Jahreszahl 1746 abgebildet, zwischen gekreuzten Lorbeerzweigen. Den verwärmten Mündungsrand ziert ein mattiertes, breites Band mit polierten Perlen, unten mit kleinen Halbkreisen. Der Deckel ist auf der Schulter mit einem Kranz aus einer Lorbeerranke verziert, der Knauf aus Nodus und Baluster jeweils mit eingestochener Luftblase und zwischengesetzter Ringscheibe komponiert. Dieser Deckelpokal von 1746 könnte anlässlich des Dienstjubiläums eines Postmeisters entstanden sein, Gläser zu ähnlichen Ereignissen – wenn auch aus dem 19. Jahrhundert – sind überliefert (vgl. Potsdam Museum, Inv.-Nr. 80-347-GL, publiziert im Themenportal "Brandenburgisches Glas"). Damals war das Reichspost-Lehen noch im Besitz der Familie von Thurn und Taxis. Als Hersteller kommen die Glashütten in Zechlin, Tornow und Marienwalde infrage, in denen 1746 farblose Hohlgläser mit Schnitt veredelt wurden. [Verena Wasmuth] MAKR
Deckelpokal mit Wappen derer von Brunn und Inschrift auf die Freundschaft
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus farblosem Glas mit zugehörigem Deckel, breit ausgestellte Hohlfuß mit Bodenkugel, dekoriert mit drei versetzten Reihe Facettenschliff, teilvergoldet, darauf geschnittene t-förmige Ornamente, diese ebenfalls vergoldet sowie goldene Tupfen. Der massive Schaft aus Nodus und Rundbaluster mit acht eingestochenen Luftblasen um eine zentrale ist facettiert, die Zwischenglieder gekehlt und ebenfalls facettiert. Der Eisboden der angesetzten, sich konisch öffnenden Kuppa hat innen einen Kranz aus acht eingestochenen Luftblasen um eine zentrale und ist außen wabenfacettiert. Darüber wiederholt sich der vergoldete Dekor aus t-förmigen Ornamenten und Tupfen. Die Kuppawandung ist auf der Schauseite mit einem Wappen dekoriert, das drei halbe Bären mit Halsband auf einem Schrägrechtsbalken im Schild zeigt sowie einen Bären als Helmzier. Auf der Gegenseite die Inschrift: Wer freundschafft bricht / nehms wohl in acht, / bey uns wird er zum / Schelm gemacht. Den gut vergoldeten Mündungsrand ziert ein geblänkter Perlfries, ebenso den des ebensolchen Deckels, an dessen Übergang zum hohen Knauf sich der Dekor des Fußes wiederholt. Das Glas ist krank. Das Wappen lässt sich mit dem dargestellten Wappen dem mittelmärkischen Adelsgeschlecht derer von Brunn mit Stammhaus im Havelland zuordnen, das 1237 urkundlich zuerst erwähnt wurde und im ausgehenden 18. Jahrhundert nur noch zwei lebende männliche Mitglieder verzeichnete. Formal und stilistisch datiert der Pokal in die Zeit um 1740, demnach ist er ein Produkt der Zechliner Hofglasmanufaktur (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 34.1, 36.2). Als Freundschaftspokal könnte er für Georg Daniel von Brunn ( geb. 1695) angefertigt worden sein, dem zu dieser Zeit die Güter Brunn und Trieplatz bei Wusterhausen (Dosse) anteilig gehörten, nur rund 45 km entfernt von Zechlinerhütte. [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal des Lutke von Dassel aus dem Lüneburger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Gegossen wohl nur die Profile. Fußrand und -zarge, Lippe und Astring der Kuppa gesondert gefertigt. Marken am Deckelrand. Wappen am Fußrand, Masken und Rosetten am Schaft mit Splinten, Astring in der Kuppaeinschnürung mit Schrauben befestigt Im ganzen gestreckter als Inv. Nr. 1874,384, doch dieser in Formen, Dekor und Aufbau eng verwandter Pokal. Auf Fußrand, Schaftknauf, Deckelgriff und Buckelrändern zartes Blattrelief. Fuß 10fach, Kuppa 15- bzw. 16fach und Deckel 15fach gebuckelt. Buckelung der oberen Deckelzone in Form eines ziehharmonikaartig zusammengelegten Schlauches, in den Zwickeln pyramidale Erhebungen. Walzenelement des Schaftes mit aufgesetzten Masken und Rosetten. Balusterknauf in eine kapitellartige, gebuckelte Form übergehend, daran hängender Blattkranz. In der Kuppaeinschnürung aufgelegter Astring mit gerollten Blättern und Rosetten. Am Kupparand ähnlich wie beim Januspokal fein gravierter Blattrankendekor mit Medaillons, darin Köpfe, eine Vase und Jahreszahl 1538. Kandelaberartiger Deckelgriff, abgeschlossen von einer emaillierten Platte mit Wappen des Stifters Lutke I von Dassel (drei Herzblätter), Bürgermeister von Lüneburg, gest. 1537, und seiner beiden Frauen aus den Familien Stöterogge (Zweig) und Sankenstede (zwei Mohrenbüsten). Die gleichen Wappen, bekrönt von plastischer Helmzier, nochmals am Fuß. Im Deckelinneren runde Platte mit Inschrift: D(OMl)N(V)S LVDOLPHVS A DASSEL REBVS EXVTVS HVMANIS AMPLISS(IMVM) SENATV(M) LVNEBVR(GENSEM) HOC SCIPHO DONA(VIT) ANNO 1537 (Herr Ludolf von Dassel hat bei seinem Tode diesen Becher dem hochangesehenen Senat von Lüneburg verehrt. 1537).
Deckelglas mit bekröntem Monogramm
Kunstgewerbemuseum
"Deckelpokal mit bekröntem Monogramm ECR (Elisabeth Christine Regina) in bekröntem Medaillon. Rechts und links je ein Putto, sowie Adler (Preußen) und Pferd (Braunschweig). Schliffdekor: Parallelrillen und Olivborten. Deckelknauf facettiert. Ohne Vergoldung. Glas hell und gesund. aus Robert Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 37, Nr. 3 Das Deckelglas ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Deckelpokal mit Triumphzug des Bacchus
Kunstgewerbemuseum
Pokal mit zugehörigem Deckel aus farblosem Glas, Abriss am Boden auspoliert, leicht ansteigender Fuß mit einem mattierten, hochgeschnittenen Rundbogenfries, dem massiven, wabenfacettierten Balusterschaft zwischen zwei Trommelscheiben mit ovalen Linsen sind drei übereinanderliegende Kränze aus Luftblasen um eine zentrale Blase eingestochen worden. Der Ansatz der angesetzten becherförmigen Kuppa ist ebenfalls mit einem Rundbogenfries dekoriert, deren Wandung zeigt umlaufend den tiefgeschnittenen Triumphzug des mit Weinlaub bekränzten Bacchus in seinem von musizierenden Kinderbacchanten gezogenen und begleiteten Wagen auf einem Landschaftssockel. Eine Diamantborte über einem Kugelfries ziert sowohl den Mündungs- als auch den Deckelrand. Der Deckel wiederholt den Rundbogenfriesdekor und trägt einen hohen Knauf aus wabenfacettiertem, getrepptem Baluster mit eingestochenen Luftblasen und wabenfacettiertem Kugelabschluss. Der Pokal weist fortgeschrittene Merkmale der Glaskrankheit auf. Der Triumphzug des Bacchus war in der barocken Kunst wegen seiner reichhaltigen Bildsprache ein überaus beliebtes Sujet, so auch auf Gläsern (vgl. Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv. Nrn. II 60/229 A und II 62/517 A; Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg Inv. Nr. XIII 1022; Schade, Deutsches Glas, 1968, Taf. 60–62; Papendorf, Märkische Gläser, 1965, Abb. 57, S. 146). Die Form dieses Deckelpokals sowie seine ornamentalen Dekorelemente sind mehrfach aus der Potsdamer Glashütte dokumentiert (Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 30.1+2+3, Taf. 31.1+2). Die Gruppe datiert in die Jahre 1720 bis 1735. Dieses Exemplar dürfte mit seiner besonders feinen und lebendigen Schnittqualität der Werkstatt Gottfried Spillers zuzuordnen sein, die bis 1728 in Berlin aktiv war. [Verena Wasmuth] MAKR
sogenannter Kaiserpokal
Kunstgewerbemuseum
Dieses Prunkgefäß mit reichem Figurenschmuck verkörpert ein politisches Programm. Ein Kaiser bekrönt den Deckel, die übrigen Figuren nehmen Bezug auf weltliche und geistliche Würdenträger des sogenannten Landsberger Bundes. Diese 1556 gegründete überkonfessionelle Vereinigung einiger Reichsstände bemühte sich nach der Reformation und den darauf folgenden Aufständen und Unruhen um Frieden im Deutschen Reich. Der Pokal war ein Huldigungsgeschenk der Freien Reichsstadt Nürnberg an den Kaiser, vermutlich an Maximilian II. (reg. 1564–1576). Wenzel Jamnitzer (1507/08–1585), seit 1534 Meister in Nürnberg, betrieb eine große Familienwerkstatt und war in seiner Zeit der führende Goldschmied der Stadt. Seine Werke hatten großen Einfluss auf die deutsche Goldschmiedekunst der Renaissance. SN
Buckelpokal aus dem Lüneburger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Fußzarge (in Teilen), Blattkranz des Deckels und Deckelfigürchen gegossen. Fußunterseite unvergoldet. Deckelrand aufgesteckt und mit Splinten befestigt. Deckelblüte dreiteilig. Marken unter dem Fußrand. – Beschädigungen an einem Buckel des Deckels, am Deckelkranz und an der Schaftkrause. Lanze der Figur verloren. Großer, akeleiförmiger Buckelpokal. Siebenpassiger Fuß mit drei Reihen sich verkleinernder, spitz zulaufender, miteinander verschränkter Buckel. Schaft oben verdeckt von einer Krause aus Blattranken. Kuppa aus fünf Reihen entsprechend den unteren gestalteten Buckeln, die gegeneinander gedreht erscheinen und so eine Einschnürung bilden. Deckel aus drei Buckelreihen. Auf dem Rand Inschrift: D(OMI)NVS lOHAN(N)ES BARVM DOCTOR P(RAE)P(OSI)TVS IN LVNEBORG OBYT ANNO 1501 XV IVLY DONAVIT HOC CLENODIVM (Herr Doktor Johannes Barum, Probst in Lüneburg, starb am 15. Juli 1501; er schenkte dieses Kleinod). Als Knauf eine Distelblüte auf zierlichem Stiel und bekrönt von einem modisch gekleideten Landsknecht, der in der Linken einen Schild mit dem emaillierten Wappen des Stifters hält, in der Rechten ehemals eine Lanze trug. Das gleiche Wappen auf der Unterseite und dreimal am Rand des Deckels. Unter dem Fuß emailliertes Lüneburger Stadtwappen.
Deckelpokal mit dem Brustbild Friedrichs des Großen
Kunstgewerbemuseum
Inventareintrag: "Glaspokal mit Deckel mit dem Brustbild Friedrichs des Großen in gekrönter Kartusche, flankiert von Adlern und Trophäen, Perlenbordüren und sternförmigen Riefelungen. Fast alle Profile vergoldet." Der Deckelpokal ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Deckelpokal mit dem Raub der Europa
Kunstgewerbemuseum
"Deckelpokal mit Raub der europa. Europa reitet auf dem Stier durch die Fluten, hinter ihr die fünf jammernden Gefährtinnen am Ufer in waldiger Landschaft. Die Wellen in Blankschnitt. Auf Fuß, Mittelknauf und Unterteil der Kuppa starkplastisch-rundbogoge Buckelornamente, die Hohlkehlen zehnfach facettiert. Im Knauf und unter der Kuppa Luftblasen. Der Deckel nicht zugehörig (zu klein), auch im Dekor abweichend und schlichter. Glas hell und gesund." aus Robert Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 31, Nr. 3 Der Deckelpokal ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Bauchiger Deckelpokal mit Fruchtgirlanden
Kunstgewerbemuseum
Pokal mit zugehörigem Deckel aus farblosem, schlierigem Glas, Abriss am Boden, ansteigender, getreppter Fuß mit einem Kranz aus Strahlenfacetten über vertieften Rundfacetten. Der angesetzte Schaft, schlank-konvex geformt und mit gestaffelten, stehenden Bogenfacetten versehen, geht nahtlos in die rund gebauchte Kuppa mit Eisboden über, dieser mit einem Kranz aus zwölf Luftblasen konzentrisch um eine zentrale eingestochene Luftblase dekoriert. Die Kuppawandung ist mit einer umlaufenden, detailreich geschnittenen Girlande aus Früchten verziert, die an Ringen hängt. Auf jedem Feston sitzt ein Tier: ein Bär, zwei Eichhörnchen und ein Adler. Die Pokal- sowie die Deckelmündung ziert ein blanker Perlfries, der hoch aufgebaute Deckelknauf orientiert sich am Schaftdekor. Am Fuß sind Merkmale der Glaskrankheit erkennbar. Robert Schmidt bildet den Kelch 1914 in seinem Standardwerk "Brandenburgische Gläser" von 1914 ab und beschreibt die Glasmasse bereits als "hell" mit "Haarrissen". Eine Reihe bauchiger Pokale gleicher Größe aus brandenburgischer Produktion - mit und ohne Vergoldung - ist überliefert (vgl. Klesse, Glassammlung Helfried Krug, 1965, Kat. 273; Berckenhagen, Berliner und Märkische Gläser, 1956, Kat. 23; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 34.1; 37.2). Sie werden übereinstimmend der Zechliner Glashütte zugeschrieben in die Zeit um 1740 und tragen meist jagdliche oder mythologische Szenen. Als Glasschneider wird Elias Rosbach oder jemand aus seinem Umkreis vermutet. [Verena Wasmuth]
Deckelpokal mit mythologischen Darstellungen
Kunstgewerbemuseum
Inventareintrag: "Kelchglas auf Fuß mit Deckel. Schliff: 4 Medaillons mit Köpfen und 4 Liebesscenen aus der griechischen Mythologie." Der Deckelpokal ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Deckelpokal mit Herkules im Löwenkampf
Kunstgewerbemuseum
"Trichterpokal mit Herkules im Löwenkampf. Hinten trommelnder Putto, an den Seiten Bäume. Am Schaft vier Reihen rundbogiger Schuppen übereinander. Auf dem Fuß mattierter Spitzblattfries. Am Lippenrand Steinchen- und Kugelborte. Glas hell und gesund." aus Robert Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 28, Nr. 3 Das Stück ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Münzpokal aus dem Lüneburger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Büste und Delphine am Schaft gegossen. Ränder und Zargen von Deckel und Fuß, Lippe und Astring der Kuppa gesondert gefertigt. Glatte Teile der Buckel, gepunzter Grund, Blattkränze des Schaftes und des Deckelgriffs, Innenseite des Deckels und Unterseite des Fußes sowie ein Teil der Münzen unvergoldet. Sehr feine Arbeit, besonders die Ziselierung der Büste. Marken auf der Unterseite des Fußes. – Wegen eines fehlenden, 1990 ergänzten Zwischenringes Deckelknauf auf früheren Aufnahmen in z. T. falscher Zusammensetzung. Pokal von stark gedrückter, horizontal gestaffelter Form. Vergoldete Reliefierung lebhaft zum silbernen Grund kontrastierend. Fuß mit flach gewölbtem Rand und tremoliertem Wulstring, Blattfries, profilierter Stabmusterzarge und hoher, von zwölf reliefierten Längsbuckeln auf punziertem Grund besetzter Wölbung. Aufliegender Blattkranz. Schaft aus walzenartigem, oben und unten gebuckelten Sockel, dessen eingezogene Wandung kleine Delphine und Blüten zieren, sowie Balusterknauf mit Akanthusrelief zwischen Profilringen, auf dem ein doppelter silberner bzw. goldener Blattkelch sitzt. Kuppa im unteren Teil der Fußwölbung gleichend, oben breit ausladend und sechzehn Längsbuckel bildend, die wie unten von Blattranken eingefaßt sind, davon jeder zweite geteilt durch eine Längsnut. In der Einschnürung ein Astring, daran gerollte Blätter und Rosetten. Auf dem Mündungsrand gravierter Blattrankendekor mit fünf Medaillons, darin zwei Kriegerköpfe, ein Wappen und DIVA bzw. POLN. Deckel wie Fuß doppelt gewölbt, am Rand ein gedrehter Ring, als Zarge ein silbernes, nielliertes Schriftband zwischen Profilen. Eingelassen 16 silberne Münzen unten und neun goldene oben. Grund gepunzt, in den Zwickeln Blattrelief. Als Griff eine Jüngling und Greis in Patriziertracht darstellende Janusbüste auf gebuckeltem Diskusknauf und Blattkränzen. Büste besetzt mit neun Brakteaten , darunter auf nielliertem Band ein mahnender lateinischer Spruch: JANVS BIFRONS PRVDE(N)TIS SPECIMEN PRETERITV(M) P(RAE)SENS VE(N)TVRV(M) RESPICE PRVDENS (Als zweiköpfiger Janus, das Bild des Klugen, bedenke mit Umsicht Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft), dem sinngemäß ein niederdeutscher Spruch auf der Deckelzarge entspricht: DE WISE MAN SICHT HINDE(N) VN(D) VOR WES VORGA(N)GE(N) ITZICH VND NOCH VOR DER DORAFBROCK DER MU(N)TE DEIT VNS LERE(N) WO SICK DER WERLDE SCHEFTE VORKERE(N). Im Deckelinneren eine Rundplatte mit dem z. T. emaillierten Wappen (Eichbaum) des Stifters und gravierter Inschrift: JOHANNES KOLLER P(RI)MV(M) SEC(RE)TARI(V)S DE HINC PROTHON(OTA)Rl(VS) DEMV( M) P(RAE)POSIT(VS) LV(N)EBERGE(N)S(IS) DONO DEDIT AN(N)O D(OMI)NI 1536 (Johannes Koller, zuerst Sekretär, dann erster Sekretär, zuletzt Propst in Lüneburg, hat es geschenkt 1536).