Christus als Schmerzensmann
Objektbeschreibung
Der kostbare Anhänger ist ein Kleinod von höchstem handwerklichem und künstlerischem Rang. Die Vorderseite ist als Mikroarchitektur in Form einer Ädikula – einer Bogenstellung zwischen zwei Säulen – gestaltet. In der Mitte erscheint Christus als Schmerzensmann. Die Werkzeuge seines Martyriums sind hinter ihm aufgerichtet: Kreuz mit Leiter, Hammer und Zange, Essigschwamm, Lanze und Dornenkrone. Zu seinen Füßen erscheinen die Würfel, mit denen die Schächer um seinen Rock spielten und links steht auf einem Säulenstumpf der Hahn, bis zu dessen Krähen ihn der Apostel Petrus dreimal verleugnet hatte (Mk 14,66–72; Mt 26,69–75; Lk 22,56–62; Joh 18,15–18, 25–27).
Die Rückseite des Anhängers zeigt in kräftigen, transluziden Emailfarben symmetrisch komponierte Grotesken – ein charakteristisches Renaissance-Ornament, das sich an antiken Wandbemalungen in der 1479 wiederentdeckten Domus Aurea des Kaisers Nero (reg. 54–68) in Rom orientierte. In ein feingliedriges, um eine Hermenfigur angeordnetes Ranken- und Bogenwerk sind Darstellungen von Vasen, Trophäen, Früchten und Vögeln verwoben. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts verwendeten die Goldschmiede zur vereinfachten Produktion und leichteren Wiederholung solcher Tiefschnittschmelze Patrizen aus Blei oder Zinn, nach denen die goldenen Trägerplatten des Emails im Gussverfahren hergestellt wurden und bei denen die Gruben für das Email anschließend nur noch nachgestochen werden mussten.
Der aus Antwerpen stammende Goldschmied Erasmus Hornick (1524/27–1583) hatte die Grundform dieses Anhängertyps entwickelt und 1565 in Nürnberg in einer Folge von Radierungen veröffentlicht. Nach deren Vorbild, stilistisch aber deutlich fortgeschrittener ist unser Anhänger mit Christus als Schmerzensmann wohl um 1590 in Augsburg, vielleicht als Werk des David Altenstetter (um 1547–1617), entstanden. LL