Logo

Servierteller bzw. Deckel ("tagliere") aus einem Wöchnerinnen-Geschirr


FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Flacher Teller bzw. Deckel ("tagliere") mit einem nach unten umgebogenen Rand und einem starken Ring an der Unterseite. Der Rand ist ringförmig plastisch gearbeitet und mit einem Blüten- und Früchtekranz bemalt. Auf der Oberfläche ist eine häusliche Szene dargestellt: Links ein Bett, mit zeltartigem Baldachin, davor sitzt auf einer Holzbank eine Frau mit nacktem Oberkörper und antikisierendem Gewand. Sie umfasst ein nacktes, vor ihr kniendes Kind. Rechts hält eine weitere Frau mit antikisierendem Gewand und wehenden Stoffdraperien ein nacktes Kind an den Händen, das gerade das Laufen lernt. Die Farbpalette ist in Orange, Gelb, Blau, Purpur, Bräunlichgrün und Weiß gehalten. Die Unterseite zeigt eine nackte Frau mit orangefarbenem Umhangtuch in den Händen vor einem himmelblauen Grund mit gelben Wolken (Fortuna?). // Der Teller diente einer Schale oder Terrine als Deckel und bildete mit ihr zusammen einen Teil eines sog. Wöchnerinnen-Geschirrs. Diese bestanden aus insgesamt fünf Teilen: einer Fußschale ("scodella") mit Deckel oder auch Servierteller ("tagliere"), einer kleineren Fußschale ("ongaresca") und einem Salzgefäß mit Deckel. Sämtliche Teile ließen sich stapeln. Solche Geschirre wurden zur Geburt eines Kindes als Geschenk der Wöchnerin überreicht. Anhand von Vergleichsbeispielen in anderen Sammlungen lässt sich die Form der verlorengegangenen Schale rekonstruieren: Es dürfte eine tiefe, napfartige Schale mit abgesetztem Fuß gewesen sein, auf dem sich das plastische Perlstab-Motiv des Oberteils wiederholte. Das Innere der Schale zeigte vermutlich ebenfalls eine häusliche Szene, die zur Bestimmung passte.  // Lit.: Tjark Hausmann: Majolika. Berlin 1972 (Bestandskatalog Kunstgewerbemuseum), Kat. Nr. 209; Jacqueline Marie Musacchio: The Art and Ritual of Childbirth in Renaissance Italy, New Haven, London, Nr. 150 // ClKa