Deckelpokal mit Flusslandschaft
Objektbeschreibung
Trichterpokal mit zugehörigem Deckel aus farblosem, sehr reinem Glas,
Abriss am Boden, auf der Oberseite des flach ansteigenden Tellerfußes
mit verwärmtem Rand ein feingeschnittener Kranz aus Blattranken um einen
versenkten Rundbogenfries. Der horizontal stark profilierte Schaft ist
aus einem massiven Baluster mit stehenden Oliven zwischen zwei
Ringscheiben aufgebaut. Am Ansatz der trichterförmigen Kuppa wiederholt
sich der geschälte Olivendekor, die Wandung zeigt umlaufend eine
mattgeschnittene sowie diamantgerissene Darstellung einer
sonnenbeschienenen Flusslandschaft mit Bäumen, Häusern, Anglern und
einem Boot. Den Rand der Mündung sowie des Deckels ziert die für den
Potsdamer Glasschnitt charakteristische geblänkte Kugelborte. Der
gewölbte Deckel ist mit einem auskragenden Auflagerand versehen, seine
Wandung mit einer weiteren friesartigen Szene dekoriert, Wanderer in
einer hügeligen Landschaft mit Wegkreuz. Der massive Deckelknauf über
einer Trommelscheibe greift erneut den sechsfachen Olivenschliff von
Schaft und Kuppaansatz auf.
Zahlreiche Trichterpokale des ausgehenden 17. Jahrhunderts aus Potsdamer
Produktion sind überliefert, jedoch besitzen sie in der Regel keinen
Deckel und die Qualität ihrer Veredelung ist deutlich einfacher. Zudem
weist dieser Deckelpokal eine weitere Besonderheit auf: Sowohl der
diamantgerissene Dekor als auch der auskragende Deckelrand sind
ungewöhnlich für Gläser aus Potsdam. In der brandenburgisch-preußischen
Hofmanufaktur waren zahlreiche Immigranten tätig und auch unter den
Glasschneidern gab es viele Zugezogene, deren Herkunftsort nicht immer
dokumentiert ist. Unterschiedlichste Einflüsse aus anderen
Glasmacherregionen haben sich dort vereint. Die Flusslandschaft auf
diesem Deckelpokal erinnert beispielsweise an überlieferte Beispiele aus
Nürnberg, wie auch die zarte Ranke am Fuß. Der geschälte Olivenschliff
war in Böhmen verbreitet, der Diamantriss typisch für niederländische
Gläser der Barockzeit.
Robert Schmidt bildete diesen Pokal 1914 in seinem Standardwerk zur
gleichnamigen Ausstellung "Brandenburgische Gläser" ab. [Verena Wasmuth]
MAKR