Pokal mit Habsburgischem Doppeladler
Objektbeschreibung
Schwerer Pokal aus dickwandigem, stark manganstichigem Glas, kein Abriss
am Boden, der breite Fuß steigt sanft an und ist innen mit einem Kranz
aus Oliven in Schälfschliff sowie außen mit einem tiefgeschnittenen
Fries aus Lorbeerzweigen verziert. Angesetzt zwischen zwei
Trommelscheiben mit einem Kranz aus geblänkten Oliven ist ein massiver
Balusterschaft. Der Baluster wie auch der Ansatz der becherförmigen
Kuppa wiederholt den Dekor aus geschälten Oliven vom Fuß. Die Schauseite
der Kuppawandung ist mit einem bekrönten, doppelköpfigen Adler in
feinem Tiefschnitt dekoriert, das Monogramm "L" auf der Brust, in den
Fängen ein Schwert sowie ein Zepter, flankiert von Palmenzweigen. Den
plan- und innen eingeschliffenen Mündungsrand ziert ein Fries aus
großen, geblänkten Kugelungen. Ein ehemals zugehöriger Deckel fehlt. Das
Glas ist krank. Die violette Färbung des Glases wurde von UV-Licht
verursacht.
Es handelt sich um ein repräsentatives Potsdamer Vivatglas auf Kaiser
Leopold I. aus dem Hause Habsburg (reg. 1658–1705). Susanne Netzer hat
bereits vermutet, dass es im Zuge der diplomatischen Vorbereitungen
Kurfürst Friedrichs III. (1657–1713) entstand, außerhalb des Heiligen
Römischen Reiches deutscher Nation die Königswürde zu erhalten. Leopold
unterstützte dieses Ansinnen nach längeren Verhandlungen schließlich im
November 1700 mit dem "Krontraktat", so dass sich Friedrich am 18.
Januar 1701 zum ersten König in Preußen krönte. Der Pokal könnte
ebenfalls zum Dank danach entstanden sein, sicherlich aber vor dem Tod
Leopolds am 5. Mai 1705. [Verena Wasmuth]
MAKR