Deckelpokal mit Bildnis Friedrich Wilhelm I.
Objektbeschreibung
Spitzkelch mit zugehörigem Deckel aus farblosem Glas, der Fuß mit
Facettenkranz mit Oliven sowie Ovalaugen und die bündig aus dem massiven
Schaft aufsteigende Kuppa mit gestuften, im mittleren Schaftteil in
hochgeschliffene Zungen übergehende Rundbogenfacetten miteinander
verbunden. Auf der Kuppawandung in Tiefschnitt unter Königskrone das von
einem Adler gehaltene Rundmedaillon mit dem Profilbildnis König
Friedrich Wilhelms I. von Preußen (1688–1740). Darunter ein weiterer
Adler, beidseitig eine reiche Staffage von Kriegstrophäen. Die
Gegenseite ist mit einem goldgemalten Landschaftsdekor verziert, mit
einer Windmühle auf einem Berg, einer darunterliegenden Siedlung an
einem See, rechts im Vordergrund ein Baum. Mündungs- und Deckelrand
beidseitig reich vergoldet. Auf der Schulter sind Kriegsarmaturen in
Goldmalerei dargestellt, die Gegenseite schmücken drei ebenfalls
vergoldete Kugelungen, die Kanonenkugeln darstellen sollen. Der Ansatz
des hohen Knaufs ist eingezogen, darüber ein Massivbaluster mit fünf
polierten Längsfacetten und Oliven. Der gesamte geschnittene Dekor des
Deckelpokals ist akzentuiert mit Gold staffiert.
Mehrere andere repräsentative Deckelpokale ähnlicher Machart mit nahezu
identischem Dekor sind überliefert. Der formale Vergleich spricht für
eine Verortung nach Potsdam um 1735 (vgl. Schmidt, Brandenburgische
Gläser, 1914, Taf. 35.5; Bernt, Altes Glas, 1950, Kat. 74 mit
identischem Knauf; Baumgärtner, Gläser, 1977, Kat. 229, S. 111 und Kat.
230 für einen Pokal mit dem Wappen von Hessen-Kassel und identischer
Knaufgestaltung; Baumgärtner, Porträtgläser, 1981, Abb. 9, S. 16;
Klesse/Mayr, Veredelte Gläser, 1987, Nr. 134; Strasser/Spiegl,
Dekoriertes Glas, 1989, Kat. 146, S. 280; Sotheby`s, London, 23.11.1999,
The Dettmers Collection, Los 77. S. 49; Museum für Kunst und Gewerbe
Hamburg, Sechs Sammler stellen aus, 1961, Kat. 127, S. 144;
Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. Nr. Kunstkammer, 10383). Die
besonders reiche und gute Vergoldung ist charakteristisches Merkmal
dieser Gruppe. [Verena Wasmuth]
MAKR