Vivatglas auf Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg
Objektbeschreibung
Kleiner Pokal mit zugehörigem Deckel aus farblosem Glas, kein Abriss am
Boden, der Rand des leicht ansteigenden Fuß mit einem Dekor aus
versenkten Spitzbögen ist zwölffach facettiert. Der Massivbalusterschaft
über einem glatten Nodus ist ebenfalls mit versenkten Spitzbögen
verziert, zudem der Ansatz der hohen, becherförmigen Kuppa. Deren
Wandung ist zwölffach facettiert und trägt auf der Schauseite in feinem
Tiefschnitt den kurbrandenburgischen Adler mit ausgebreiteten Schwingen,
Zepter und Schwert in den Klauen, bekrönte von dem Kurhut, umschrieben
mit: Vivat Elector: Brandenbg. Die Gegenseite zeigt das Spiegelmonogramm
"CF3" für Kurfürst Friedrich III. (1657–1714) zwischen zwei gekreuzten
Palmzweigen und gleichfalls bekrönt von dem Kurhut. An Mündungs- und
Deckelrand wurden korrespondierend zu den Wandungsfacetten breite Bögen
im Schälschliff aufgebracht, die abgerundete Deckelschulter wiederholt
den versenkten Spitzbogenkranz, ebenso der massive, getreppte und
polierte Knauf über einer Trommelscheibe. Das Glas ist fortgeschritten
krank, insbesondere im Bereich des Fußes sowie des Deckels.
Dieser Potsdamer Deckelpokal aus kurfürstlicher Zeit vor 1701 wurde
mehrfach publiziert. Dabei erörterte Fragen, etwa zur nachträglichen
Beschleifung des Fußrandes zwecks Kaschierung älterer Beschädigungen
oder zur ausgemachten Seltenheit der Wandungsfacettierung bei
brandenburgischen Produkten, sind obsolet (Keisch/Netzer, Herrliche
Künste und Manufacturen, 2001, S. 250; Schmidt, Brandenburgische Gläser,
1914, S. 68). Überlieferte Vergleichsstücke bestätigen den
Originalzustand seiner Form (Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
Berlin-Brandenburg Inv. Nr. XIII 854 und XIII 890; Glasmuseum Hentrich,
Düsseldorf Inv. Nr. P 1940-131 a,b; Stiftung Stadtmuseum Berlin,
Inv.-Nr. SM 2017-00863; alle publiziert im Themenportal
"Brandenburgisches Glas" auf museum-digital.de, sowie Götzmann/Kaiser,
Gläserne Welten, 2017, Kat. 94, S. 157 und Rückert, Die Glassammlung des
Bayerischen Nationalmuseums, Bd. 2, 1982, Kat. 811, S. 274, Taf. 250).
Diese Gruppe datiert etwas später, in die Jahre 1701 bis 1713. [Verena
Wasmuth]
MAKR