Deckelpokal mit dem Wappen des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I.
Objektbeschreibung
Pokal aus Kupferrubinglas mit dazugehörigem Deckel. Auf dem ansteigenden
Tellerfuß mit verwärmtem Saum ein vertiefter Rundbogenfries mit
Goldstaffage, ebenso am Ansatz der becherförmigen Kuppa sowie auf der
flachen Schulter des Deckels. Angesetzter massiver Schaft mit zwei
zellenfacettierten Nodi unter und einer zellenfacettierten Ringscheibe
über einem mit Akanthusfries geschnittenen Baluster. Auf der
Kuppawandung in vergoldetem Tiefschnitt das brandenburgisch-preußische
Wappen, wie es seit 1709 geführt wurde, in 36 Felder und drei Schilde
geteilt sowie eingerahmt von einem Wappenmantel. Zwei „wilde Männer“
fungieren halbnackt und bärtig rechts und links als Schildhalter und
Fahnenträger. Auf der Rückseite ein gegen die Sonne fliegender Adler
mit der Devise „non soli cedit“ (Nicht [einmal] der Sonne weicht er),
das Emblem Friedrich Wilhelms I. in goldkonturiertem Schnitt. Der Deckel
mit hochaufgebautem Knauf aus facettierten Nodi und Baluster mit
Vergoldung.
Dieser Potsdamer Deckelpokal datiert in die Regierungszeit Friedrich
Wilhelms I. (1688–1740), vermutlich in die Zeit um 1730 (vgl.
Deckelflöten im Bestand der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten,
Inv.-Nrn. XIII 859–XIII 861; Pokal im Bestand der Stiftung Stadtmuseum
Berlin, Inv.-Nr. II 94/113 A). Als Glasmaler in der Hütte am Hakendamm
sind Johann Caspar Greinert, Johann Andreas Lauch, Martin Unger und ein
gewisser "Kelling" deokumentiert, wobei Greinert als einziger dezidiert
als "Goldmaler" bezeichnet wird (s. Schmidt, Brandenburgische Gläser,
1914, S. 147f.).
Die Glasmasse erscheint nahezu schwarz, charakteristisches Merkmals des
Kupferrubinglases. Für diese Problematik fand der Alechmist und zwischen
1679 und 1692 Leiter der Potsdamer Glashütte Johann Kunckel eine
Lösung: „Man muß auch in acht nehmen daß des Pulvers nicht zu viel
genommen wird denn sonst würde das Glas schwartz werden; da es doch
nicht dick sondern durchsichtig oder dunckelgelb an der Farb sein solle.
Wenn nun diese Farb erscheinet so ist es recht und nimbt man alsdenn
ungefehr 1½. Loth des rothen Kupffers welches nach Inhalt des 24.
Capitels gecalciniret und wohl zerrieben sey werden; solches setzet man
zu dem obigen Glas und vermischets zum öfftern: wenn nun solches zum
3.ten oder 4.ten mahl geschehen ist/ so wird eine Blutrothe-Farb
erscheinen. … dergleichen ich öffters gemachet habe" (Kunckel, Ars
vitraria, 1679, 58. Kap., S. 95 und 17. Kap., S. 28; Spiegl, Johann
Kunckel, 1988, S. 2819). Der Veredler des Glases verstand die
Materialbeschaffenheit als Vorteil: Durch das Zusammenspiel von
glänzender Goldauflage und dem sehr dunklen Kupferrubinglas treten die
Machtinsignien effektvoll hervor. [Verena Wasmuth]
MAKR