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Theodore Roosevelt, Afrikanische Wanderungen


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Objektbeschreibung

Aus dem Zentrum des Plakats schaut uns – seitwärts blickend – ein Schwarznasenimpala an, eine afrikanische Antilope, deren Männchen solche leierförmige Hörner tragen. In der offen hügeligen Landschaft dahinter, die monochrom ockerfarbig gehalten ist, zeichnet sich schemenhaft eine kleine Herde derselben Tiere ab. Impalas sind im östlichen, südöstlichen und südwestlichen Afrika verbreitet und können weitflächige Aktionsräume durchstreifen. Darauf spielt das Sujet an, mit dem der Grafiker Julius Klinger im Jahr 1910 ein Plakat zur Bewerbung von Theodor Roosevelts Buch „Afrikanische Wanderungen“ gestaltete. Es handelt sich um die deutsche Übersetzung von „African Game Trails“, das im selben Jahr auf Englisch erschienen war. Roosevelt war nach seinem Rücktritt als 26. Präsident der Vereinigten Staaten 1909/10 mit einer riesigen Jagdtruppe nach Afrika gereist. Im beworbenen Buch berichtet er von seiner Reise, die ihn von Kenia über den Kongo und sodann den Nil entlang nach Khartum im Sudan geführt hatte. Es kann sein, dass Klinger eigentlich eine (dem Impala ähnliche) Thomson-Gazelle darstellen wollte – denn eine solche gehörte, wie der Reisebericht fotografisch belegt, zu den ersten von Roosevelt erlegten Tieren. Womöglich lag die Publikation dem Grafiker jedoch nicht vor, sodass er sich andere Vorbilder suchte, vielleicht im Zoo. 

Sowohl das englische Original als auch die deutsche Übersetzung „Afrikanische Wanderungen“ erschienen kurz nach Roosevelts Rückkehr im Jahr 1910. Die durch den Industriellen und Philanthropen Andrew Carnegie finanzierte Safari hatte zum Ziel, Tiere für die Smithsonian Institution in Washington und das Natural History Museum in New York zu sammeln. Von den kolossalen Ausmaßen der Jagdsafari, – deren Ausbeute mindestens 11.400 Tiere umfasste, von kleinsten Insekten bis zu Elefanten aus Ostafrika, deren Körper, Schädel und Häute in die USA verschifft wurden – erzählt das schlicht gehaltene Plakat nichts. Roosevelt verweist in seinem Buch hier und dort auf die vielen lokalen Träger, Gewehrhalter, Abhäuter und anderen Angestellten, die den „Jagderfolg“ im kolonialen Kontext überhaupt erst möglich machten. 

Text und Recherche: Priska Gisler

Zitierte Literatur: 
Theodore Roosevelt: African Game Trails. An Account of the African Wanderings of an American Hunter-Naturalist. New York: Scribner’s Sons 1910, online unter: https://archive.org/details/africangametrail01roos/page/n29/mode/2up (letzter Zugriff 30.11.2023.), S. 31


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Der Grafiker und Illustrator Julius Klinger, geboren 1876 in Österreich, spielte ab 1897 eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Plakatgestaltung in Berlin, wo er fast zwei Jahrzehnte lang lebte und arbeitete. Seine Entwürfe lassen die präzisen Formen und klaren Linien des von ihm maßgeblich mitgeprägten Sachplakats erkennen, sind dabei aber häufig verspielt oder mit Witz durchzogen. In Werbeplakaten für das Theater, für Ausstellungen oder Konsumgüter wählte er mit Vorliebe Menschen in Kostümen oder Tiere als Motiv. So verbindet Klinger, der ab 1911 auch an der Berliner Reimann-Schule Gestaltung lehrte, in seiner Reklamekunst einprägsam praktischen Nutzen mit humorvoller Ästhetik – wobei sein Humor sich mitunter in einem Bereich des Karikaturistischen bewegt, dessen öffentliche Akzeptanzgrenzen heute anders abgesteckt werden.

Julius Klinger arbeitete seit 1900 für die Kunstanstalt Hollerbaum und Schmidt, eine Berliner Druckerei und Werbeagentur, die wegweisend für den Umbruch zur Moderne in der Plakatgestaltung und Druckgrafik war. Gegründet 1897 von Erich Gumprecht, etablierte sie eine neue Form der Werbung in Deutschland. Vom Entwurf bis zum fertigen Druckerzeugnis bot Hollerbaum und Schmidt erstmals alle reklamerelevanten Dienstleistungen gebündelt an. Erfolg brachte vor allem eine weitere Innovation: Die Kunstanstalt nahm moderne, junge Plakatkünstler*innen unter Vertrag, die exklusiv für sie arbeiteten und ihren Stil prägten. So entwickelte sich das Berliner Sachplakat – eine ornamentfreie Gestaltungsart, die auf Fernwirkung abzielte. Vor meist einfarbigem Hintergrund treten die Motive klar hervor und konzentrieren die Aussage des Plakats.

Ab 1918 war Julius Klinger wieder von Wien aus tätig. Zwei Jahrzehnte später wurde er aufgrund seiner jüdischen Wurzeln Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, die 1942 in der Deportation in das Vernichtungslager bei Minsk endete.

Text: Christina Dembny / Christina Thomson