Bildnis Carl Hauptmann
Objektbeschreibung
Im braunen Dreiteiler, mit Goldketten für Lorgnon und Taschenuhr, sitzt Carl Hauptmann (1858–1921) betont lässig auf einem Tisch oder einer hohen Bank, ein zusammengelegtes Manuskript in der rechten Hand, als habe er gerade eine Lesung beendet. Im Jahre 1913 befand sich Hauptmann, zunächst Naturwissenschaftler im Umkreis von Ernst Haeckel und Richard Avenarius, unterdessen aber wie sein jüngerer Bruder Gerhart Hauptmann schriftstellerisch tätig, auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Er lebte noch in dem ursprünglich gemeinsam mit Gerhart Hauptmann erworbenen und ausgebauten Haus in Schreiberhau (Szklarska Poręba) im Riesengebirge, das heute ein Museum beherbergt. Der Maler Wislicenus, der seit 1896 an der Königlichen Kunst- und Gewerbeschule in Breslau lehrte, hielt sich zwischen 1911 und 1919 häufig in der Künstlerkolonie Schreiberhau auf, wo seine Lieblingsschülerin und spätere Frau Wanda Bibrowicz eine Werkstatt für Kunstweberei eingerichtet hatte. Einen Wandbehang mit einem volkstümlichen Pflanzenmotiv sieht man links im Bilde, hinter dem Redemanuskript und einem Strauß Wiesenblumen. Die Zusammenstellung wirkt wie eine Charakterisierung des „Dichters des Riesengebirges“, ein sprechendes Motiv, wie es Wislicenus auch für das ebenfalls quadratische Porträt seines Kollegen und Freundes Hans Poelzig (um 1906; Museum Bautzen) gefunden hatte. | Angelika Wesenberg