Bildnis des Altphilologen Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff
Objektbeschreibung
Mit symbolistisch aufgefassten Kompositionen sowie Bildnissen des Dichters Stefan George hatte sich der Berliner Maler Rebel seit 1900 auf Ausstellungen einen Namen gemacht. 1912 erhielt er den Auftrag, den Altphilologen Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff (1848–1931) zur porträtieren, höchstwahrscheinlich durch den befreundeten Friedrich Spiro, der mit seiner Ehefrau Assia Rombro seit 1891 in Rom lebte und der unter Wilamowitz nicht nur in Greifswald studiert hatte, sondern ihm auch später freundschaftlich verbunden blieb. Wilamowitz, Schwiegersohn des Althistorikers Theodor Mommsen, zählte um 1900 zu den führenden klassischen Philologen Europas. Nach Professuren in Greifswald (1876–1883) und Göttingen (1883–1897) trat er 1897 die Nachfolge von Ernst Curtius in Berlin an und gründete hier zusammen mit Hermann Diels das Institut für Altertumskunde. Seit 1902 oblag Wilamowitz zudem die Leitung der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Spiro widmete ihm viele seiner späteren philologischen Arbeiten und gehörte zwischen den Weltkriegen seinem Berliner Lesezirkel Graeca an. Rebel zeigt den Gelehrten in einem nahezu lebensgroßen Dreiviertelbildnis vor neutralem Hintergrund in dunklem, schlichtem Rock, ohne jegliche Attribute, konzentriert auf das markante Gesicht. Mit leicht geöffneter rechter Hand und gleichsam vorwärtsschreitend wirkt Wilamowitz, als hätte der Maler ihn während eines Vortrags studiert. Das Porträt, das nach der Schenkung durch Spiro zur Bildnissammlung der Nationalgalerie gehörte, war zwischen 1938 und 1953 als Leihgabe in der Humboldt-Universität zu Berlin. | Regina Freyberger