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Bacchant (Wasserausgießer)


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Objektbeschreibung

Die Inspiration zu dieser Bronzefigur erhielt Hildebrand auf einer Dalmatienreise, die er 1872 mit dem Kunsttheoretiker Conrad Fiedler unternahm. Eine Reiseskizze des Bildhauers zeigt eine identische Gestalt als Brunnenbekrönung. Der "Bacchant" erinnert zudem an die Haltung des sitzenden Alten auf dem rechten Flügel von Marées Gemälde "Hesperiden". Dies wird in der silhouettenhaften linken Seitenansicht des Jünglings besonders deutlich. Fiedler erwarb die 10 Jahre nach der Dalmatienreise verwirklichte Plastik und ließ sich dafür nach Plänen Hildebrands einen Scheinbrunnen aus Holz bauen. In origineller Weise hat dieser das Motiv des Flußgottes, das seit der Antike viele Brunnen ziert, mit dem des Weingottes verschmolzen: Der mit Weinlaub und Trauben bekränzte Jüngling sitzt auf einem Fels und gießt bedächtig seinen Krug aus. Sein Blick verfolgt aufmerksam das Herabfließen des Wassers aus dem Gefäß, das er mit beiden Händen umfaßt hält und mit dem Oberschenkel zusätzlich abstützt. Haltung und Gesichtsausdruck sind ganz auf diese Handlung abgestimmt und zeigen einen Zustand konzentrierten Hingegebenseins an das Tun. Hildebrand verstand die Kunst als "eine Art Naturerforschung" [Hildebrand, Problem der Form, 1901, 3. Aufl. 1903, S. 5] und wollte die den Erscheinungen innewohnenden Gesetzmäßigkeiten zur Anschauung bringen. Hierfür übertrug er das von seinem Freund und Lehrer Hans von Marées entwickelte Prinzip des architektonischen Bildaufbaus auf die Darstellung des Menschen in der Plastik. Ein ausgewogenes Gerüst von Körper- und Bewegungsachsen, bei dem der Tiefenzug der Oberschenkel von der Vertikale des Oberkörpers und des Felsens aufgefangen wird, verdeutlicht die komplexen Beziehungen der einzelnen Gliedmaßen zueinander beim Ausgießen eines Kruges. | Eve Förschl