Junges Mädchen, ein Grabkreuz bekränzend
Objektbeschreibung
Begräbnisszenen zählten zu den beliebten Genremotiven des Biedermeier. In ihnen wurde das Leben als beständiger Kreislauf thematisiert, zugleich boten sie stets auch die Gelegenheit zur Gemütsrührung. Franz Eybl – ein Hauptvertreter des Wiener Biedermeier – stellte in seinem Gemälde ein junges Mädchen dar, das ein Grab mit einem frischen Blumenkranz schmückt. Sorgfältig beobachtet ist der Moment des Innehaltens des Mädchens, das sich hingebungsvoll dem Andenken an eine verstorbene Person widmet. Behutsam abgestimmte Farbklänge und fein strukturierte Stofflichkeiten hat der Künstler mit Detailtreue meisterhaft wiedergegeben. Im landschaftlichen Hintergrund rechts ist eine Dorfkirche zu sehen, darüber türmt sich ein Felsmassiv auf, möglicherweise ein Motiv aus dem Salzkammergut. Wegen der Jahreszahl »1828« im Bogen des Gedenksteines wurde das Bild bislang als ein Frühwerk Eybls betrachtet. Inzwischen hat sich die von Ingrid Kastel vorgeschlagene Datierung auf 1838 durchgesetzt (vgl. I. Kastel, Franz Eybl, Dissertation, Wien 1983, S. 102, Nr. 132). Eybl zeigte auf der Akademischen Kunstausstellung zu St. Anna in Wien 1838 ein »Mädchen auf dem Kirchhof«, das wohl mit diesem Bild identisch ist. Ein Jahr zuvor, 1837, hatte Ferdinand Georg Waldmüller dort das Gemälde »Ein Mädchen schmückt die Muttergottes mit einer Rose« (Österreichische Galerie Belvedere, Wien) präsentiert, von dem Eybl angeregt worden sein mag. Auch die lockere Naß-in-Naß-Malerei von Architektur und Landschaft spricht für die spätere Datierung. Eine zweite Version des Motivs war 1877 auf der Wiener Historischen Kunstausstellung zu sehen. | Birgit Verwiebe