Logo

Tänzerin in der Bar


FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Der Besuch einer Ausstellung mit Werken der Impressionisten in Berlin 1905, höchstwahrscheinlich in der Galerie Paul Cassirer, weckte in Weisgerber den Wunsch, Paris zu besuchen – eine Zeit, die er später als die „schönste und zugleich schrecklichste“ beschreiben sollte. Im Café du Dôme lernte er Henri Matisse und die Fauvisten kennen – und fand doch nicht zum eigenen künstlerischen Ausdruck: „Paris ist für mich eine harte Nuß“, schrieb er im Mai 1906 an einen Freund. „Das erste halbe Jahr habe ich fast nur aus dem Kopf gemalt, oder nach der Natur gemalte Dinge zusammen komponieren wollen. Viel weiter bin ich noch nicht gekommen, um auszuruhen male ich wieder Studien“ (zit. nach Wilhelm Hausenstein, Albert Weisgerber, München 1918, S. 42). Nach diesen Studien entstand, zurück in Deutschland, diese Szene aus dem Café- und Varietéleben: eine „exotische“ Tanzimpression, bei der nichteuropäische Kulturen „vorgeführt“ wurden – Auftritte, die nicht zuletzt durch die französische Kolonialpolitik fest zum Pariser Amüsieralltag gehörten. „Tänzerin in der Bar“, auch „Marokkanische Tänzerinnen“ genannt, schließt eine Reihe von Bildern ab, die jener Mischung aus vermeintlicher Exotik und Erotik nachspüren, wie sie schon im Jahrhundert davor die Künstler des sogenannten Orientalismus gereizt hatte. Vor den seitlich an der Bühne gaffenden Zuschauern tanzt scheinbar unbefangen eine Schwarze Tänzerin, deren Kostüm mehr preisgibt als verhüllt, was in dieser Darbietung den Reiz ausmacht (vgl. auch das Bild „Kreolin“ von Georg Tappert, B 58/23). | Regina Freyberger