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Objektbeschreibung

Der Dornauszieher, der auf ein altes, von der antiken Skulptur bekanntes, in mannigfaltigen Bearbeitungen tradiertes Thema zurückgreift, hält in der Hand eine Panflöte und hat einen Kranz aus Weinlaub auf dem Kopf. Er sitzt auf einem Henkelkrug in antiker Form mit Bacchanal-Relief. »In seiner Bewegung, besonders aber in der individuellen Behandlung des nackten Körpers weicht er doch ganz und gar von seinem antiken Vorbilde ab«, konstatierte Rosenberg 1903, auf die Modernität indirekt hinweisend. Auch die teilweise ganz naturalistische Behandlung macht die Skulptur zu einem charakteristischen Werk der Wende vom Klassizismus zum Neubarock. Um 1880 arbeitete Eberlein in einem Atelier in dem kurz zuvor von Martin Gropius erbauten Berliner Kunstgewerbemuseum. Vor 1880 war er als Bildhauer noch gänzlich unbekannt gewesen. Doch mit dem Modell des Dornausziehers gelang ihm 1880 der Durchbruch auf der 54. Berliner Akademieausstellung; er erhielt die Kleine Goldene Medaille für Kunst, eine der begehrtesten Auszeichnungen. Noch im gleichen Jahr wurde er zum Lehrer für Figürliche Bildhauerei am Berliner Kunstgewerbemuseum berufen. Bis 1886 entstand dann  –  teilweise in Italien  –  die Marmorausführung. Das Holzpostament, das mit Widderköpfen und Blumengehängen verziert ist, wurde ebenfalls nach Eberleins Entwurf ausgeführt. Sein Aufstieg zu einem der bedeutendsten Bildhauer des Neubarock in Preußen hatte mit der Erwerbung dieser Skulptur durch die Nationalgalerie begonnen; zahlreiche Denkmäler, Büsten und freie, oftmals genrehafte Statuen im Geschmack der Zeit sollten folgen. Doch auch als Dichter und Maler betätigte sich der vielseitig ambitionierte Künstler. | Bernhard Maatz