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Objektbeschreibung

Hebe, die Göttin der Jugend und Mundschenkin der Götter, gießt mit ihrer rechten Hand Nektar in die Schale, die sie in der linken hält. Schale und Kanne sind in Bronze gegossen; ähnliche Materialkombinationen finden sich bei Canova mehrfach. Darüber hinaus waren ursprünglich einige Partien farbig getönt; Spuren dieser Tönung haben sich jedoch nicht erhalten. Neben dieser ersten Marmorfassung, die auf der Grundlage des Originalgipses (heute in Bassano, Italien) ausgeführt wurde, gibt es drei weitere Repliken der seit ihrer Entstehung europaweit mit großem Enthusiasmus gefeierten Skulptur. Sie stammen aus Canovas Werkstatt: Eine Wiederholung mit minimalen Veränderungen aus der Zeit um 1800/05 in der Eremitage in St. Petersburg, zwei voneinander kaum abweichende Exemplare der stärker überarbeiteten Reduktion in Chatsworth (1808–15) und in Forlí (1816/17), bei denen die Wolke, auf der Hebe zunächst herabschwebte, durch eine strengere Plinthe ersetzt wurde, die nunmehr Erdboden und Fels suggeriert. Canova nahm diese Veränderung vermutlich aufgrund heftiger Kritik am Schweben der Hebe vor, denn das Schweben einer Figur und die steinerne Darstellung einer Wolke widersprach der klassizistischen Auffassung, wonach die körperliche Schwere sich auch in der Behandlung einer Skulptur abzeichnen muss und wonach immaterielle und transitorische Momente nicht in der statisch-dauerhaften Materie der Skulptur darstellbar seien. Diese Figur wurde im 19. Jahrhundert sehr populär und auch in verschiedenen, teils kleinformatigen Zink- und Bronzegüssen verbreitet. Ferner existieren Segmentbüsten, die zitathaft auf die ganzfigurige Statue anspielen. Die Statue der Nationalgalerie wurde 1825 für König Friedrich Wilhelm III. von Preußen ersteigert und war zunächst in dessen Bibliothek im ehemaligen Kronprinzenpalais aufgestellt. Bald nach Eröffnung des Schinkelschen Museumsbaus am Lustgarten, des Alten Museums (1830), wurde sie dorthin gebracht, wo sie gleichsam den krönenden Abschluss der archäologisch-kunstgeschichtlichen Entwicklung von der antiken bis zur modernen Skulptur bildete. Nach der Eröffnung der Nationalgalerie (1876), die die Kunst seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert sammelte, wurde die Statue hierher überwiesen, wo sie nunmehr nicht mehr als Schlusspunkt einer künstlerischen Entwicklung seit der Antike, sondern als Ausgangspunkt der Entwicklung des Klassizismus verstanden werden kann. | Bernhard Maatz