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Objektbeschreibung

Mit dem Schweizer Maler Arnold Böcklin (1827-1901) verband Hildebrand der Rückbezug auf die Antike als eine Quelle künstlerischer Erneuerung. Anläßlich von Böcklins 70. Geburtstag gab die Nationalgalerie bei Hildebrand dieses Bildnis in Auftrag. Der gewaltige Schädel Böcklins sitzt auf einem kurzen, stämmigen Hals. Der Bart steigert die blockhafte Wirkung des Kopfes. Diese Monumentalität wird von den Furchen des Alters gleichsam untergraben. Die Augensäcke zeugen vom zermürbenden Leben eines Bohemiens, der Blick aber ist wach. Hildebrand hat ihm durch einen erhabenen Ring um die Iris eine stechende Schärfe verliehen. Nach Hildebrand folgt der Feststellung des "cubischen Raums" einer Büste die Ausarbeitung ihres "Aus- und Eindrucks" (Jachmann 1927, S. 231). Diese zwei Phasen der künstlerischen Arbeit finden in Böcklins Wesen eine Entsprechung: In der fleischigen Masse des Kopfes scheint sein Hang zum Exzeß auf, im forschenden Blick finden seine visionären Bildideen Ausdruck. - Nach den Porträtsitzungen mit Hildebrand soll Böcklin "verärgert und knurrend" nach Hause gekommen sein (Runkel/Böcklin 1909, S. 20). Vermutlich vermißte er bei Hildebrands Büste die von ihm selbst so eifrig betriebene Stilisierung seiner Person zum Malerfürsten. Noch nach einem Schlaganfall, als ihn Lähmungserscheinungen in seiner Arbeit stark behinderten, porträtierte er sich als kraftvoll selbstbewußten Maler, sein letztes Selbstporträt zeigt ihn als abgeklärt blickendes Genie. Hildebrand und Böcklin, die während ihrer Florentiner Zeit in den gleichen Zirkeln verkehrten, wurden miteinander nie ganz vertraut. Böcklin bezeichnete Hildebrand abfällig als "Hellenist in Renaissancesauce" und Hildebrand schrieb über Böcklin: "Unser persönlicher Verkehr war stets sehr locker, da mich seine Schülerkneipereien nicht anziehen und ich nie eine Öffnung zu seiner Natur gefunden" (ebda., S. 23). Das etwas distanzierte Verhältnis mag zur nüchternen Objektivität dieses Bildnisses beigetragen haben, aber gerade in diesem Klarblick des Bildhauers liegt die stringente Größe des Porträts begründet. Ein weiterer Guß befindet sich im Kunstmuseum Basel. | Eve Förschl