Hohlspiegelobjekt (konvex/konkav)
Objektbeschreibung
Luthers „Hohlspiegelobjekte“ bestehen jeweils aus 81 identischen, leicht konvex oder konkav gewölbten Spiegeln, die in regelmäßigen Abständen auf schwarzem Hintergrund angebracht sind. Steht man vor einem der Objekte, sieht man sich selbst und den Raum 81-mal. Die Ansichten unterliegen einem ständigen Wandel: Das Spiegelbild erscheint mal weiter links oder weiter rechts, mal nach oben oder nach unten verschoben, je nach Blickwinkel. Im konvexen Spiegel erscheint die Reflexion richtig herum, im konkaven auf dem Kopf. Der gespiegelte Raum wirkt leicht verzerrt – und doch ist jede Reflexion auf ihre Weise so objektiv wie jede andere. Luther hatte sich nach ersten autodidaktischen Versuchen im Zeichnen und mit Aquarell- und Ölmalerei dazu entschlossen, nicht nur seinen Beruf als Richter zugunsten der künstlerischen Tätigkeit aufzugeben, sondern auch mit dem künstlerischen Material zu experimentieren. Sein Schaffen kreist um Licht und Raum als Material, das er mit seinen Objekten einzufangen und sichtbar werden zu lassen versuchte. Mit reduzierten Mitteln schuf er komplexe Wahrnehmungserfahrungen. Die Tatsache, dass Licht Eigenschaften von Teilchen und Wellen aufweist, faszinierte ihn und regte ihn insbesondere zu Experimenten mit Spiegelungen und Beugungen des Lichts an. Es sollte nicht nur andere Objekte beleuchten, sondern für sich erscheinen. Hierbei sind die Spiegel und Gläser, mit denen Luther Licht einfangen und ihm Gestalt geben wollte, um wiederum den Raum zu verändern, mal rund, mal rechteckig, symmetrisch oder asymmetrisch montiert. | Emily Joyce Evans