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Objekttyp: Pendants
Hohlspiegelobjekt (konvex/konkav)
Neue Nationalgalerie
Luthers „Hohlspiegelobjekte“ bestehen jeweils aus 81 identischen, leicht konvex oder konkav gewölbten Spiegeln, die in regelmäßigen Abständen auf schwarzem Hintergrund angebracht sind. Steht man vor einem der Objekte, sieht man sich selbst und den Raum 81-mal. Die Ansichten unterliegen einem ständigen Wandel: Das Spiegelbild erscheint mal weiter links oder weiter rechts, mal nach oben oder nach unten verschoben, je nach Blickwinkel. Im konvexen Spiegel erscheint die Reflexion richtig herum, im konkaven auf dem Kopf. Der gespiegelte Raum wirkt leicht verzerrt – und doch ist jede Reflexion auf ihre Weise so objektiv wie jede andere. Luther hatte sich nach ersten autodidaktischen Versuchen im Zeichnen und mit Aquarell- und Ölmalerei dazu entschlossen, nicht nur seinen Beruf als Richter zugunsten der künstlerischen Tätigkeit aufzugeben, sondern auch mit dem künstlerischen Material zu experimentieren. Sein Schaffen kreist um Licht und Raum als Material, das er mit seinen Objekten einzufangen und sichtbar werden zu lassen versuchte. Mit reduzierten Mitteln schuf er komplexe Wahrnehmungserfahrungen. Die Tatsache, dass Licht Eigenschaften von Teilchen und Wellen aufweist, faszinierte ihn und regte ihn insbesondere zu Experimenten mit Spiegelungen und Beugungen des Lichts an. Es sollte nicht nur andere Objekte beleuchten, sondern für sich erscheinen. Hierbei sind die Spiegel und Gläser, mit denen Luther Licht einfangen und ihm Gestalt geben wollte, um wiederum den Raum zu verändern, mal rund, mal rechteckig, symmetrisch oder asymmetrisch montiert. | Emily Joyce Evans
Kleiner Tierpark
Alte Nationalgalerie
Im Jahr 1900 hatte Gaul mit seinen „Kleinen Wasservögeln“ (WVZ Gabler 2007, 65) erstmals eine zusammengehörige Serie im Kleinstformat geschaffen. Mit dem 1915 folgenden „Kleinen Tierpark“ bekräftigte er nicht nur sein Vermögen, Wesen und Haltung unterschiedlichster Tiere neben dem Monumentalen auch im Kleinen zu erfassen, sondern veranschaulichte beispielhaft seine Auffassung von Skulptur im Raum. Gaul hat im „Kleinen Tierpark“ 15 zwischen 2,8 und 7,6 Zentimeter große, gesockelte Tierplastiken auf zwei Marmorplatten arrangiert. Die Komposition folgt dabei dem Versuch einer möglichst abwechslungsreichen Variation von sitzenden, stehenden und sich bewegenden Tieren, ohne durch ihre Interaktion eine Narration entstehen zu lassen. Dafür griff der Bildhauer auf bereits früher entworfene und in größeren Formaten ausgeführte Figuren zurück wie den „Tapir“ (um 1900, WVZ 62), den „Seelöwen“ (1903, WVZ 104), den „Trompetenden Elefanten“ (1904/1905, WVZ 123) oder den aus dem Kronprinzensilber gefertigten „Elefanten“ (1905–1907/1911, WVZ 123). Das von der Nationalgalerie angekaufte Exemplar des „Kleinen Tierparks“ stammt aus der Sammlung von Leo Lewin, der 1919 die komplette Serie in der Berliner Galerie Paul Cassirer erworben hatte und dort angesichts der sich bereits ankündigenden Weltwirtschaftskrise 1927 wieder verkaufte. Nicht mehr aus der originalen Serie ist der mit „A. G.“ und Rundpunze bezeichnete „Stehende Pinguin“. Mit diesem Nachguss ersetzte man 1969 das 1933 entwendete Original. Entgegen dem Hinweis im Auktionskatalog der Galerie Cassirer von 1927 (Nr. 61) waren auf der Kuratoriumssitzung der Nachlassverwalter Gauls im November 1921 drei posthume Güsse der kompletten Serie beschlossen worden (WVZ 65). Auch handelt es sich weder – wie im Katalog angezeigt – um Tauschierungen noch um Silbergüsse, sondern um aufliegende Teilvergoldungen beziehungsweise Versilberungen von in der Berliner Gießerei Noack ausgeführten Bronzen. | Yvette Deseyve