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Gestern und in unserer Zeit


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Objektbeschreibung

Anfang 2002 tauchte plötzlich das fünfteilige Wandbild „Gestern und in unserer Zeit“ wieder auf, das Heisig 1974 für das Foyer der sogenannten Sekretärszone im ersten Stock des neu gebauten Sitzes der SED-Bezirksleitung in Leipzig gemalt hatte. Heisig war darüber nicht glücklich angesichts der vielen Kompromisse, die er seinerzeit hatte eingehen müssen, um den Forderungen des Auftraggebers gerecht zu werden. Daher erklärte er 2002 die damals unter hohem Zeitdruck entstandenen Bilder kurzerhand für unvollendet, um sie nach seinen damaligen Vorstellungen vollenden zu können. Nach langen Auseinandersetzungen übergab die Nationalgalerie als Besitzerin des Zyklus dem Künstler die Tafeln 2 und 3, der sie in seinem Atelier komplett übermalte. Daraufhin weigerte sich das Museum, ihm auch die übrigen drei Tafeln auszuhändigen, die so im Originalzustand erhalten blieben. In Auftrag gegeben hatte den Zyklus der Erste Sekretär der Leipziger SED-Bezirksleitung, Horst Schumann, dessen Vater, Georg, von den Nazis im KZ Buchenwald ermordet worden war. Dargestellt als gefesselter Leipziger Kommunistenführer, deutet Schumann auf der ersten Tafel mit dem linken Zeigefinger auf den Gauleiter von Breslau, Karl Hanke (vgl. A IV 304). Diese und die zwei folgenden Tafeln sind als Panorama der deutschen Geschichte angelegt, von der Weimarer Republik über die NS-Herrschaft und den Zweiten Weltkrieg bis zum Aufbau des Sozialismus, während Heisig mit dem Zeichenstift in der Hand auf der vierten Tafel zurückblickt auf die Pariser Kommune 1871, die als Kaleidoskop historischer Bruchstücke erscheint. Die Reihe endet mit dem fünften Bild, das die Aggressivität des US-Imperialismus behandelt. | Eckhart J. Gillen