Die Brücke von Chatou
Objektbeschreibung
Nach 1900 hatte sich in der französischen Malerei in Abgrenzung von der bedeutsamen, formbewussten Kunst der Nabis, die ihrerseits auf den leichten Impressionismus reagierten, eine neue Richtung herausgebildet, die auf alle feinsinnigen Bezüge, auf Halbtöne und differenzierte Farbnuancen verzichtete. Zu ihren Begründern zählten Henri Matisse sowie André Derain und Maurice de Vlaminck. Wegen der ungestümen Darstellungen und des vehementen Farbauftrages erhielt die Gruppe 1905 den Spottnamen „Fauves“ (Wilde). Vlaminck, der zeitweise ein gemeinsames Atelier mit Derain in Chatou bei Paris unterhielt, erinnerte sich an diese Phase: „Diese mir so vertrauten Gegenden malte ich mit Vorliebe: die Seine mit ihren Schleppkähnen, die Dampfer mit ihren Rauchfahnen, die Kneipen, die farbige Stimmung, den Himmel mit seinen großen Wolken, zwischen denen die Sonne durchbricht. Ich fuhr im Boot stromaufwärts, arbeitete, aß in irgendeinem Bistro zu Mittag und kehrte abends glücklich heim. Einmal im Monat brachte ich meine neuesten Bilder in die Galerie Vollard“ (Maurice de Vlaminck, Rückblick in letzter Stunde, St. Gallen 1965, S. 63). 1906 hatte der bedeutende Pariser Kunsthändler Ambroise Vollard das Atelier in Chatou besucht, alle vorhandenen Gemälde von Vlaminck erworben und die künftigen erbeten. Die Darstellung des Seine-Ufers mit der Brücke von Chatou, in dem von Vlaminck erinnerten Zeitraum entstanden, ist aus kräftigen, rasch nebeneinandergesetzten Farbstrichen aufgebaut. | Angelika Wesenberg