Bildnis des Dr. Benno Geiger
Objektbeschreibung
Ob das Bildnis des kapriziösen Dr. Benno Geiger (1882–1965) auf eine Auftragsarbeit zurückgeht, wissen wir nicht. Es könnte als Wiederholung eines besonders gelungenen Porträts für die Öffentlichkeit gemalt worden sein. Noch im Entstehungsjahr war es in Berlin bei Paul Cassirer sowie in der Freien Secession ausgestellt. Geiger, als Sohn der Malerin Pauline Geiger vorwiegend in Venedig aufgewachsen, hatte in Leipzig und Berlin Kunstgeschichte, Musik und Germanistik studiert. Von 1910 bis 1914 war er als wissenschaftlicher Assistent am Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bode-Museum) in Berlin tätig. 1914 veröffentlichte er unter dem Pseudonym Egon E. Nerbig „Gesammelte Gedichte“, im selben Jahr trat er als Herausgeber wie als Übersetzer an die Öffentlichkeit. Geiger war in Berlin nicht unbekannt. In den folgenden Jahren lebte er, von Reisen unterbrochen, als Schriftsteller, Kunsthändler und Sammler in Venedig. Er pflegte Kontakte zu Rainer Maria Rilke und Stefan Zweig, 1920 erschien mit einem Vorwort von Hugo von Hofmannsthal das Werk „Handzeichnungen alter Meister aus der Sammlung Dr. Benno Geiger“. 1920 auch gelangte das Bildnis Geigers als Beispiel eines Werkes des Malers Kardorff, der seit dem 1. Oktober eine Malklasse an der Breslauer Kunstakademie leitete, in das dortige Schlesische Museum der bildenden Künste. In den 1930er- und 1940er-Jahren war Geiger als umstrittener Kunsthändler in Wien und Venedig tätig, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebte er wieder in Venedig. | Angelika Wesenberg